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25.03.2019 10:16 Alter: 236 days
Kategorie: Politik

„Ein neuer Wind bläst rund um die Welt!“


Indigene in Brasilien - ernsthaft bedroht vom „neuen Wind“.

So äußerte sich US-Au0enminister Mike Pompeo auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos. Der Minister war nur per Video zugeschaltet. Wegen des Shutdown war die US-Regierung vor Ort nicht vertreten. Was meinte Pompeo mit dem „neuen Wind“? Er zählte sofort Beispiele auf, die zeigen, worum es geht - um Tendenzen des rücksichtslosen Nationalismus mit allen seinen Facetten: Protektionismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus. Als strahlende Leuchttürme nannte Pompeo natürlich allen voran Donald Trumps Wahl ins Weiße Haus, dann die dramatischen Vorgänge rund um den Brexit, Italiens rechtspopulistische Regierung und Brasiliens neugewählten Präsidenten Jair Bolsonaro.

Der „Tropen-Trump“, wie Bolsonaros Spitzname lautet, hatte schon im Wahlkampf mit Äußerungen von sich reden gemacht, die jeden anständigen Menschen entsetzen. In einem Rundumschlag hetzte er gegen Frauenrechte, Homosexuelle, ethnische Minderheiten, kündigte „beispiellose Säuberungen“ an und sympathisierte offen mit Brasiliens Militärdiktatur, die das Land 1964-1985 brutal unterdrückte und an deren Tradition Bolsonaro nur allzu gern anknüpfen würde.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, die Entscheidungsgewalt über Reservate für die indigene Bevölkerung Brasiliens dem Landwirtschaftsministerium zuzuordnen. In der Praxis dürfte dies bedeuten, dass rücksichtslose Geschäftemacher nun noch ungehinderter den Amazonas-Dschungel zwecks Landgewinnung niederbrennen dürfen, wobei es auf ein paar tote Indios mehr oder weniger nicht ankommt. Den neugewählten Präsidenten stört das nicht. Er hatte schon vor 20 Jahren in einem Zeitungsinterview gesagt: „Es ist eine Schande, dass die brasilianische Kavallerie nicht so effektiv war wie die Amerikaner, die ihre Indianer ausgerottet haben.“.

Und 2015 hatte er geäußert: „Es gibt kein indigenes Gebiet, in dem es keine Mineralien gebe. Gold, Zinn und Magnesium gibt es in diesen Gebieten, vor allem im Amazonasgebiet, der reichsten Gegend der Welt. Ich gehe nicht auf diesen Unsinn ein, Land für Indianer zu verteidigen.“ Die Menschenrechtsorganisation Survival International befürchtet jetzt einen systematischen Genozid an der Urbevölkerung.

Für die Deutsche Bank übrigens war Bolsonaro der „Wunschkandidat“, und für Mike Pompeo steht er wie gesagt für einen „frischen Wind.“ 

Quelle: Matrix3000 Band 110

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