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25.03.2019 11:55 Alter: 151 days
Kategorie: History

Demokratie schafft sich ab


Vincenzo Camuccini: Die Ermordung Caesars (1805). Galleria Nazionale d‘Arte Moderna, Rom.

Stellen Sie sich ein Land vor, in dem die politischen Normen zusammengebrochen sind. Korruption und Gewalt beherrschen den Alltag. Senatoren blockieren die Regierung mit fadenscheinigen Argumenten. Am Ende tritt ein Populist auf den Plan und fordert, ihm selbst die alleinige Macht zu übergeben. Er allein könne das Land retten. Der Populist findet Gehör, und immer zahlreicher werdende Anhänger bauen um ihn herum einen Personenkult auf. Schließlich gelangt er tatsächlich an die Macht.

Wenn Sie denken, wir reden hier z. B. über das heutige Amerika, dann irren Sie sich. Das Ganze hat vor über 2000 Jahren stattgefunden, und zwar in der damaligen Weltmacht Rom. Fast 500 Jahre lang hatte es in Rom eine funktionierende Republik gegeben, die sich jedoch im 1. Jahrhundert v. Chr. In einer krisenhaften Entwicklung selbst abschaffte. Jahrhundertelang hatten Politiker die Gesetze respektiert, es kam zu keinen politisch motivierten Gewalttaten oder Landraub. Dann geschah 133 v. Chr. der erste politische Mord. Aufgebrachte politische Gegner erschlugen den Senator Tiberius Gracchus mit Holzstühlen, weil er Land an die Armen verteilen wollte.

Die Zustände wurden jetzt zunehmend brutaler, die Krise gipfelte 44 v. Chr. in der Ermordung Julius Caesars während einer Senatssitzung, kurz nachdem er sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen ließ. Doch nun trat Caesars Großneffe auf den Plan, der erst 19jährige Gaius Octavius. Er erkannte schnell, dass immer weniger Menschen am Leben waren, die die friedliche und gesittete Zeit der römischen Republik noch miterlebt hatten. Die Leute kannten zunehmend nur noch Gewalt, Willkür und Korruption, und sie waren dessen müde.

Gaius Octavius‘ Strategie war es, den Leuten zu versprechen, unter ihm – und nur unter ihm – würden Recht und Gesetz wieder Einzug halten. Niemand würde mehr unschuldig verurteilt oder seines Besitzes beraubt werden. Für dieses Versprechen der Sicherheit waren immer mehr Menschen bereit, ihre Freiheitsrechte aufzugeben. Sie waren bereit, Octavius unbeschränkte Macht zu verleihen, solange er Frieden hielt. Und das, obwohl jeder hätte wissen können, dass er selbst daran mitarbeitete, Gewalt und Exzesse zu befeuern, um im Nachhinein Recht zu behalten.

27. v. Chr. ließ sich Gaius Octavius zum Augustus, zum ersten Kaiser des Römischen Reiches, ausrufen. Er war genau jener Augustus, von dem die biblische Weihnachtsgeschichte erzählt, dass er ein Gebot ausgehen ließ, dass „alle Welt geschätzet würde.“ Neben seiner Kaiserwürde übernahm er auch das hohe Staatsamt eines von zwei Konsuln. Dafür musste er sich zwar jedes Jahr neu zur Wahl stellen, allerdings durften nur Leute gegen ihn kandidieren, die er selbst genehmigt hatte. So „gewann“ er natürlich immer mit großer Mehrheit.

Die römische Demokratie war gestorben, und die nachfolgende Diktatur sollte 1500 Jahre andauern… 

Quelle: Matrix3000 Band 110

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