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19.07.2019 13:57 Alter: 120 days
Kategorie: Mystery

Die Wahrheit brauchte 90 Jahre


Das historische Foto zeigt die Familie Dunbar bei einem späteren Ausflug. Vorn der „falsche Bobby“, der in Wahrheit Bruce Anderson hieß.

Am 23. August 1912 fuhren Lessie und Percy Dunbar mit ihren Kindern zu einem Ausflug an den Swayze Lake in Louisiana. Während sie am und im Wasser herumtollten, verschwand der vierjährige Bobby plötzlich spurloa. Sie suchten überall nach ihm und schalteten auch die Polizei ein. Es wurde im ganzen Staat Louisiana eine Großfahndung ausgerufen. Man fing und sezierte sogar Alligatoren aus den Sümpfen des Mississippi-Deltas, um zu prüfen, ob sie das Kind vielleicht verschlungen hatten.

 

Alle Bemühungen blieben erfolglos Acht Monate später dann eine frohe Nachricht für die Dunbars: Ein Junge, auf den Bobbys Beschreibung passte, war im Staat Mississippi gesehen worden. In Begleitung von William Walters, einem umherziehenden Handwerker. Der gab jedoch zu Protokoll, das Kind heiße Bruce Anderson und sei der uneheliche Sohn einer Hausangestellten, Julia Anderson. Sie habe das Kind nur für ein paar Tage seiner Obhut anvertraut, um auf Arbeitssuche zu gehen. Doch niemand glaubte Walters, man verhaftete ihn und übergab Bobby den Dunbars, die ihn beide sofort erkannten.

 

Nachdem sie das Kind über Nacht zu Hause hatten und es gebadet hatten, erklärte Lessie Dunbar, sie habe den Sohn anhand einiger Muttermale und Narben einwandfrei wiedererkannt. Er habe sich auch bei ihnen zu Hause sofort zurechtgefunden. Doch Julia Anderson bestand ebenfalls darauf, dass es ihr Sohn sei. Sie bestätigte William Walters‘ Aussage. Da sie jedoch kein Geld für einen Sorgerechtsprozess hatte, wurde das Kind endgültig den Dunbars zugesprochen.  William Walters erhielt zwei Jahre Gefängnis wegen Kindesentführung, beteuerte aber lebenslang seine Unschuld.

 

Bobby Dunbar wuchs auf, heiratete, bekam Kinder und Enkel und starb 1966. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. 2004 gab Margaret Dunbar Cutright, seine Enkelin, eine DNA-Analyse in Auftrag, um ihre Abstammung zu klären. Der Vergleich mit der DNA eines Sohnes von Bobby Dunbars Bruder ergab keinerlei Verwandtschaft. Julia Anderson und William Walters hatten die Wahrheit gesagt. Das Kind hatte ihnen gehört. Eine Entschuldigung bei ihnen aufgrund des erlittenen Unrechts ist nicht bekannt, hätte wohl auch nichts genützt, weil die direkt Beteiligten längst nicht mehr am Leben waren.

 

Das Schicksal des echten Bobby Dunbar ist bis heute ungeklärt. Manche Journalisten vermuteten sogar, die Dunbars hätten damals ihr Kind umgebracht und das Auftauchen des vermeintlichen Sohnes als willkommene Gelegenheit genutzt, um die Tat zu vertuschen. Doch wo war das Motiv? Es gab auch Gerüchte, es gebe Augenzeugen, wie ein fremder Mann das Kind aus den Mississippi-Sümpfen fortgetragen habe. Der Fall ist bis heute ein Mysterium.

 

Quelle: Matrix3000 Band 111

 

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