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26.09.2019 14:31 Alter: 52 days
Kategorie: History

Der Brexit - schon über 8000 Jahre alt


Vor über 8000 Jahren war England mit Europa verbunden - durch "Doggerland"

Der Tag, als England zur Insel wurde

 

Bei einer Springflut, wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen, gibt es besonders starke Gezeiten in der Nordsee. Bei Ebbe tauchen dann seltsame versunkene Landschaften an der Ostküste Englands auf - zahllose Baumstümpfe, die zeigen, dass hier einst riesige Wälder gestanden haben. Dazwischen die sterblichen Überreste von Bären, Bibern und Wölfen.

 

Was hier zu gewissen Zeiten von der Nordsee kurzfristig freigegeben wird, ist ein versunkenes Land, das vor Jahrtausenden einmal ein wahres Naturparadies gewesen war. Doggerland nennen die Archäologen es, benannt nach der Doggerbank, einer riesigen Sandbank in der Nordsee, die ebenfalls zuweilen aus dem Wasser auftaucht.

 

In uralten Zeiten war England mit Europa durch die Landbrücke von Doggerland verbunden und bildete nur eine Halbinsel. Längst weiß man, dass Doggerland auch von Menschen bewohnt wurde, die hier ein überreichliches Nahrungsangebot fanden und niemals Hunger leiden mussten. Und so gehen Nordseefischern immer wieder auch steinzeitliche Werkzeuge ins Netz - Harpunenspitzen, Äxte usw., die alle um die 10.000 Jahre alt sind.

 

Dieses paradiesisch anmutende Land war während der Weichseleiszeit entstanden, vor 115.000 Jahren, als die riesigen Gletscher der Nordhalbkugel den Ozeanen gewaltige Wassermassen entzogen. Diese vorerst letzte Eiszeit endete vor ca. 11.600 Jahren, der Meeresspiegel stieg wieder, lag aber immer noch 60 Meter tiefer als heute. So blieb Doggerland erhalten und wurde im milderen Klima zu einer grünen Oase. Landschaftsarchäologen der Universität Birmingham sind derzeit damit beschäftigt, das versunkene Land so gut wie möglich zu kartographieren. Sie können dabei auf ein großes Datenpaket zurückgreifen, das ihnen die Firma Petroleum Geo Services zur Verfügung gestellt hat, die im Auftrag von Ölkonzernen umfangreiche Erkundungsmaßnahmen auf dem Grund der Nordsee durchgeführt hat. Auf diese Weise entdeckten die Wissenschaftler zahlreiche Flüsse und Seen, die heute im Meer versunken sind. Einer dieser Flüsse hatte die Größe unseres Rheins. Er wurde River Shotton genannt, nach Fred Shotton, einem Geologieprofessor und Weltkriegsveteranen, der vor der Invasion am D-Day in der Normandie geeignete Landeplätze für die Alliierten ausgekundschaftet hatte.

 

Auch Berge gab es in Doggerland. Einer von ihnen war aus rotem Sandstein, ähnlich dem Ayers Rock (Uluru) in Australien. Die Spitze seines Gipfels ragt noch heute aus dem Wasser. Wir kennen sie alle als die Insel Helgoland.

 

Doch eines Tages kam es zu einer furchtbaren Katastrophe. Es war übrigens eine Klimakatastrophe, wie sie uns auch heute wieder droht, wenn sich das Abschmelzen der Polargletscher fortsetzen sollte.

 

Vor etwa 8.400 Jahren begann es in Doggerland zunehmend ungemütlich zu werden. Durch die Schmelzwasser der Gletscher stieg der Meeresspiegel unaufhaltsam an, kalte Winde peitschten gegen Doggerlands Küsten, und immer weitere Küstenbereiche versanken im Meer. Der Anstieg des Meeresspiegels vollzog sich übrigens damals in einem ähnlichen Tempo wie heute. Nur traf es die damaligen Menschen ganz anders. Sie wohnten noch nicht in festen Siedlungen, sondern zogen noch als Jäger und Sammler herum und konnten so immer wieder in höher gelegene Gebiete ausweichen.

 

Unsere heutigen Großstädte in Küstenregionen sind also viel stärker bedroht.

 

Dann aber - an einem Spätherbsttag vor 8.200 Jahren - das plötzliche und unerwartete Ende. An der Küste Norwegens stürzten rund 3000 Kubikkilometer Schlamm aus flachen Küstengewässern in die Tiefe. In der Geologie ist es als Storegga-Ereignis bekannt. Es löste einen Tsunami mit fünf bis zehn Meter hohen Wellen aus, die über Doggerland hinwegfegten und alles Leben auslöschten.

 

Allenfalls in der Nähe der heutigen Küste Englands konnten sich vielleicht noch ein paar versprengte Menschen in Sicherheit bringen und die Erinnerung an den Kataklysmus weitervererben.

 

Diese Katastrophe war es also, die den ersten Brexit einleitete. Großbritannien verließ geographisch den Kontinent und wurde zur Insel, so wie wir es heute kennen. Begründete eine unbewusste Erinnerung an dieses grausige Ereignis das heute in den Briten so tief verwurzelte Misstrauen gegen alles, was aus Richtung Europa kommt?

 

Nicht auszuschließen, obwohl der heutige Brexit ja eher wirtschaftliche und machtpolitische Gründe hat. Und die fanatischsten Brexiteers sind gleichzeitig diejenigen, die mit Umwelt- und Klimaschutz nicht allzu viel am Hut haben. Sie sollten aufpassen, denn sonst könnte es geschehen, dass nach weiteren 8000 Jahren in der Zukunft das Netz eines Nordseefischers an der Spitze von Big Ben hängenbleibt...

 

Quelle: Matrix3000 Band 112

 

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