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26.09.2019 14:42 Alter: 51 days
Kategorie: History

Schneewittchen lebte im Spessart


Schloss Lohr

Es war einmal ein wunderhübsches junges Mädchen, das in einer Adelsfamilie aufwuchs. Der Vater war Witwer und heiratete nochmals, als das Mädchen 18 Jahre alt war. Doch die Stiefmutter war selbstsüchtig und eifersüchtig auf die Schönheit der Stieftochter.

 

Moment mal - erzählen wir Ihnen hier nicht den Anfang des Märchens Schneewittchen der Brüder Grimm? Ja und Nein. Die junge Frau, um die es hier geht, hieß Maria Sophia von Erthal und lebte im 18. Jahrhundert als Tochter eines fränkischen Freiherrn. Die Familie bewohnte ein Schloss in Lohr am Main, zwischen Würzburg und Aschaffenburg gelegen. Es gibt viele interessante Details, die darauf hinweisen, dass Maria Sophia von Erthal tatsächlich das „wahre Schneewittchen“ gewesen ist.

 

Lohr liegt im Spessart, damals bekanntlich eine noch ziemlich wilde Gegend, in der sich Räuberbanden herumtrieben, in der aber auch noch Bergbau betrieben wurde. Als Bergleute wurden meist kleinwüchsige Männer eingesetzt, die als Schutzkleidung Gewänder mit Kapuzen trugen. Die sieben Zwerge?

 

Hinter den „sieben Bergen“ konnten sie tatsächlich gewohnt haben, denn ein Höhenweg durch den Spessart führt tatsächlich über sieben Berge. Und im Bergwerk hatten die Zwerge auch gearbeitet.

 

Ob Maria Sophia tatsächlich von der Stiefmutter mit einem Apfel vergiftet und von den Zwergen gerettet wurde, ist unbekannt, wie überhaupt der größte Teil ihres Lebens im Dunkeln liegt. Aber das berühmte „Spieglein, Spieglein an der Wand“, in dem sich die eitle Stiefmutter zu betrachten pflegte, existiert wirklich und wurde in einer Weinstube in Lohr entdeckt. Er stammt aus einer Spiegelmanufaktur, die Marias Vater gehörte, und trägt die französische Aufschrift „Amour propre“, was so viel wie „Selbstliebe“ bedeutet. Aha! Heute hängt das „Spieglein“ im Spessartmuseum auf Schloss Lohr.

 

Kürzlich wurde nun auch Marias Grabstein wiederentdeckt. Sie war 1796 gestorben. Nach Aussage des noch vorhandenen Totenscheins und Testaments hat sie einen Großteil ihres Lebens in einem Bamberger Kloster verbracht.

 

Möglicherweise war sie also vor der bösen Stiefmutter nicht zu den Zwergen, sondern zu den Nonnen geflüchtet.

 

Es ist naheliegend, dass das Leben der Maria Sophia von Erthal tatsächlich Vorbild für „Schneewittchen“ war. DIe Brüder Grimm lebten in Hanau, kaum 70 km entfernt, und sie durchwanderten ihre Heimatregion auf der Suche nach Märchenstoffen, die direkt aus dem Volke kamen. Besonders gern suchten sie Häuser auf, in denen Frauen beim Spinnen beieinandersaßen und sich den damaligen „Gossip“ erzählten. Ist dabei womöglich auch einmal Klatsch und Tratsch über Maria und ihre böse Stiefmutter zur Sprache gekommen?

 

Quelle: Matrix3000 Band 112

 

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