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24.03.2020 11:28 Alter: 13 days
Kategorie: Politik

Sklavenarbeit für Plastik-Tomaten


Wie schön ist es doch, dass wir heutzutage ganzjährig frische leckere Tomaten essen können - oft aus Spanien. Sie sehen eine wie die andere prall und sauber aus, wie aus Marzipan. Doch kaum jemand von uns weiß, wie ungesund die Tomaten sind und welch unmenschlichen Preis Hunderttausende von Menschen für ihre Erzeugung leisten müssen...

 

Wenn man in der kleinen Stadt El Ejido in Südspanien, nicht weit von Almeria, an der richtigen Kreuzung abbiegt, kommt man auf eine Straße, die links und rechts mit Sichtblenden versehen ist. Doch die sollen hier keinen Lärm abhalten, sondern etwas verbergen - einen Menschenrechtsskandal gigantischen Ausmaßes mitten in der EU!

 

Dem Fotografen Karol Grygoruk war diese Anlage aufgefallen, und er wollte mehr wissen. Die Straße durchquert ein über 33.000 Hektar großes Anbaugebiet für Gemüse - getarnt durch riesige Plastikfolien, die für ein gleichbleibendes Klima sorgen sollen. Die Plantage ist so gewaltig, dass sie sogar vom Weltraum aus sichtbar ist, an Bord der Raumstation ISS. Hier werden jährlich 3,5 Millionen Tonnen Gemüse produziert - Gurken, Zucchini, Paprika, vor allem jedoch Tomaten. Umgangssprachlich nennt man die Region den „weißen Plastik-Ozean“. In Wahrheit ist es ein menschenverachtendes Arbeitslager.

 

Die Anlage entstand schon vor über 30 Jahren. Man wollte auf diese Weise die wirtschaftlich schwache Region in Andalusien fördern. Sie hatte einen entscheidenden Standortvorteil. Durch die ständig zuwandernden Armutsmigranten aus Marokko und anderen Regionen Nordafrikas stand ein unerschöpflicher Vorrat an billigen Arbeitskräften zur Verfügung.

 

Dafür mangelte es an fruchtbarer Erde in der knochentrockenen Region. Also wählte man die „Plastik- Lösung“. Die Tomaten wurzeln in kleinen Hydrokultursäckchen und werden computergesteuert bewässert. Das erforderte teure Investitionen, doch die konnte man bei den Arbeitskräften wieder einsparen. Sie erhalten einen Hungerlohn, der um 50 Prozent unter dem spanischen Mindestlohn liegt, und das ohne Krankenversicherung und Sozialabgaben. Überhaupt ohne Arbeitsverträge und ohne Arbeitnehmerrechte. Die meisten Migranten werden illegal beschäftigt.

 

Für diesen kargen Lohn müssen die Erntearbeiter, denen man in ihrer Heimat noch ein „besseres Leben“ versprochen hatte, täglich 12-14 Stunden arbeiten. Sie hausen in primitiven Notunterkünften aus Holz- und Plastikteilen zwischen den Gewächshäusern. Toiletten und andere sanitäre Anlagen gibt es nicht. Unter der Plastikfolie herrschen Temperaturen über 40 Grad. Und die Atemluft ist hochgradig verseucht durch Insektizide und andere Pflanzenschutzgifte. Zahlreiche Arbeiter sind bereits gestorben. Die Plantagenbesitzer stört das nicht, es gibt genug Nachschub. Wenn jemand aufzumucken wagt, muss er mit Abschiebung rechnen. Also halten fast alle ängstlich den Mund.

 

Trotzdem ist die skandalöse Tomatenfarm bereits seit Langem im Rest Europas nicht unbekannt. Doch geschehen ist bislang nichts. Und sind die Tomaten, die unter solchen Bedingungen wachsen, überhaupt gesund? Aussehen tun sie so. Mit diesem gleichmäßigen Wuchs kann keine herkömmliche Tomate mithalten, die in normaler Erde gewachsen ist. Durch die standardisierte Ernährung mit speziellem Flüssigdünger in der Hydrokultur werden die Früchte wässerig und geschmacklos, und sie reifen auch nur oberflächlich aus.

 

Trotzdem kaufen die europäischen Supermarktkunden sie immer weiter - und fördern damit das Leid von Hunderttausenden von Arbeitern.

 

Quelle: Matrix3000 Band 114

 

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