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25.06.2020 10:41 Alter: 97 days
Kategorie: Wissen

Social Media - eine „Pause vom Denken“


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Es ist ein Problem, das schon seit Jahren den sozialen Frieden bedroht und die politische Landschaft von Staaten umkrempeln kann. Populisten haben es heutzutage leicht, ihre Fake News viral gehen zu lassen. Über die sozialen Medien werden sie häufig so oft geteilt, bis sie Allgemeingut werden.

Wie ist es möglich, dass Menschen so oft gefälschte Informationen weiter verbreiten, selbst wenn es eigentlich jedem klar sein sollte,

dass sie falsch sind? Der Psychologe Gordon Pennycook von der Universität Regina (Kanada) ist mit einem Forscherteam dieser Frage nachgegangen. Sie legten 2500 Testpersonen Schlagzeilen und Bilder vor, die teilweise von seriösen Medien stammten, zum Teil aber auch aus Quellen, die von einem unabhängigen Faktenchecker für Fake News erklärt wurden.

Die Testpersonen wurden gebeten, jeweils zu markieren, ob sie in Betracht ziehen würden, die jeweilige Nachricht in den sozialen Medien zu teilen. Es zeigte sich, dass die Neigung, Nachrichten mit anderen zu teilen, nicht so sehr von der Wahrheit der Information abhing, sondern

davon, ob die Meldung die eigenen politischen Ansichten bestätigte. Wenn dies der Fall war, betrug die Chance, dass die Meldung geteilt

wurde, 37,4 %. Das Ergebnis war unabhängig davon, ob die Ansichten der Personen eher „links“ oder „rechts“ waren. Wenn dagegen eine Nachricht nachweislich wahr war, aber den persönlichen Ansichten widersprach, sank die Neigung, sie zu teilen, auf 24 %.

In einer Nachfolgestudie wurden die Testpersonen zuerst befragt, ob sie die Nachrichten für wahr hielten, bevor man sie entscheiden ließ, ob sie sie teilen sollten. Die Wissenschaftler prüften so, ob Menschen, die Meldungen aus zweifelhaften Quellen unkritisch geteilt hatten, dazu bewegt werden können, sie nicht zu teilen, wenn sie den Verdacht haben, dass die Meldung falsch sein könnte. Dazu benutzte man eine Bewertung von Meldungen anhand einer Glaubwürdigkeitsskala, die von unabhängigen Faktencheckern entwickelt wurde. Es zeigte sich, dass Meldungen, die nach einer solchen Bewertung durch die Testpersonen dennoch geteilt wurden, um 3,5 % glaubwürdiger waren als ohne die

vorherige Bewertung.

Es gibt natürlich Menschen, die bewusst und gezielt Falschmeldungen weiterverbreiten. Die Mehrheit tut es jedoch nur, weil man gar nicht über die Wahrheit einer Meldung nachdenkt. Man tut dies also nicht aus Bosheit, sondern weil die Entscheidung, eine Meldung zu teilen, nicht rational, sondern eher gefühlsmäßig getroffen wird.

Soziale Medien sind „Unterhaltungsmedien, zu denen Menschen oft gehen, wenn sie eine Pause vom Denken brauchen.“, sagt Pennycook. „Es ist also erforderlich, sie nur ein wenig nachdenklicher zu machen.“

Die Wissenschaftler erwägen, diese Ergebnisse den sozialen Medien bekannt zu machen, um zu testen, ob es einen positiven Effekt hätte,  wenn ein Benutzer beim Teilen zuerst nach seiner persönlichen Bewertung gefragt würde.

Quelle: New Scientist

 

Quelle: Matrix3000 Band 115

 

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