< Social Distancing der Zukunft
24.09.2020 10:43 Alter: 32 days
Kategorie: Politik

Die „Milchstraße“


Nein, Sie sind nicht aus Versehen auf der Wissensseite gelandet, und es geht auch nicht um unsere Heimatgalaxie. Es geht vielmehr darum, dass die Corona-Krise en passant einige der hässlichsten Seiten unseres Wirtschaftssystems ans Tageslicht brachte. Denken wir an die Massenausbrüche in den Großbetrieben der Fleischindustrie, die deren sklavenhalterähnliche Arbeitsbedingungen offenlegten.

 

Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Auch andere Branchen der Lebensmittelindustrie hatten einiges zu verbergen, das sich nun nicht länger verbergen lässt. Und damit zur „Milchstraße“.

 

Über 32 Millionen Tonnen Milch werden jedes Jahr in Deutschland produziert. Höchstens die Hälfte davon ist in Europa überhaupt absetzbar. Daher haben sich große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Milupa schon seit Langem darauf verlegt, einen Großteil des Rests zu Milchpulver zu verarbeiten. Doch auch das wollte niemand haben.

 

Mit geradezu mafiösen Methoden versuchte man neue Absatzmärkte in China zu erschließen. Zu Höchstpreisen, versteht sich. Das Problem ist nur: Kuhmilch steht traditionell in China gar nicht auf dem Speisezettel. Schlussfolgerung: Auch dort wollte niemand das Milchpulver kaufen. Also investierte man Unsummen in Werbekampagnen und versuchte den Chinesen einzureden, ihre Kinder würden nur mit ein paar Löffeln Milchpulver am Tag gesünder, stärker und intelligenter. Die Kampagne wirkte letztendlich. Die Milchkonzerne setzen inzwischen 20 Milliarden Euro jährlich auf dem chinesischen Markt um.

 

Nächstes Problem: Deutsche Kühe sind keine Roboter. Sie sind unter normalen Umständen gar nicht in der Lage, solche Milchmengen zu produzieren. Um noch mehr Leistung aus den bedauernswerten Tieren herauszupressen, füttert man die Milchkühe daher mit Kraftfutter, und zwar mit Soja. Nur ist das in Deutschland zu teuer, und so importiert man es am günstigsten aus Brasilien. Dessen Präsident Bolsonaro ist ein willfähriger Helfer, der seine Farmer gewähren lässt, riesige Areale des Amazonas- Urwaldes niederzubrennen, um neue Anbauflächen zu gewinnen.

 

Resultat: Dem Weltklima gehen große Flächen an sauerstoffproduzierendem und CO2-bindendem Regenwald verloren. An den indigenen Völkern Amazoniens wird ein Völkermord begangen. Man ermordet die Indianer kurzerhand oder vertreibt sie, oder sie sterben durch Kontakt mit Weißen an der Corona-Seuche, mit der einige der nur wenige hundert Menschen umfassenden Stämme zu fast 50% infiziert waren.

 

Niemand sollte einwenden, dass das nun mal Folge einer globalisierten Weltwirtschaft ist, die die Bedürfnisse der hochentwickelten Gesellschaften befriedigen muss. Denn diese Milch brauchte keiner. Man musste die Chinesen ja geradezu beschwatzen, sie zu kaufen. Die einzigen, die von der Milchstraße Brasilien-Deutschland- China profitieren, sind die Bankkonten der Firmenbosse. Wenn es wirklich stimmen sollte, dass die Welt nach Corona nicht mehr die gleiche wie zuvor sein wird, dann gibt es noch viel zu tun!

 

Quelle: Matrix3000 Band 116

 

Matrix3000 Band 116 als E-Paper-Download