< Im Universum des Roger Penrose
10.12.2020 12:49 Alter: 184 days
Kategorie: Wissen

Das Unmögliche erforschen


Physik-Nobelpreis für Roger Penrose

 

Es ist schon allerhand für einen Wissenschaftler, sich mit dem großen Albert Einstein derart zu messen, dass man ihn widerlegt, indem man ihn bestätigt. Im Grunde ein Paradox in sich. Doch Roger Penrose liebt es, sich mit derlei Paradoxa auseinanderzusetzen.

Als im Oktober das Nobelpreiskomitee die Verleihung des Physik-Nobelpreises an Sir Roger Penrose verkündete, rieben sich viele seiner

Bewunderer erstaunt die Augen? Nanu, hatte der den nicht längst bekommen?

Nein, hatte er nicht. Der große britische Mathematiker und theoretische Physiker von der Universität Oxford ist schon immer ein Mann der leisen Töne gewesen, dem seine Arbeit wichtiger war als Publicity. Und so stand er oft im Schatten anderer, die ihm viel zu verdanken hatten. Stephen Hawking etwa, dessen Doktorvater Roger Penrose einst gewesen war.

Das britische Understatement des Roger Penrose hat durchaus Gründe. Er war immer ein Wissenschaftler, der die Grenzen vom Unmöglichen zum Möglichen verschieben wollte. Seine zum Teil bahnbrechenden Gedanken sind daher oft visionär und nicht zeitnah, z. B. in der Industrie, kommerziell umsetzbar. „Allgemeinverständlich beschreiben zu wollen, was seine wichtigen Beiträge zur Physik und Mathematik sind und auf welchen Gedankengängen sie beruhen, ist ein ziemliches Ding der Unmöglichkeit.“, schrieb der Berliner „Tagesspiegel“. Und so musste Roger Penrose erst 89 Jahre alt werden, bevor sein Lebenswerk gewürdigt wurde.

Er muss sich den Nobelpreis mit zwei weiteren Wissenschaftlern teilen – Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und Andrea Ghez von der University of California in Los Angeles. Ohne die Leistungen der beiden Forscher schmälern zu wollen – sie hatten ein schwarzes Loch im Zentrum unserer Galaxis entdeckt – sind Penroses Gedanken doch ein anderes Kaliber.

Er hatte mathematische Berechnungsverfahren zu Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie entwickelt. Sie beweisen, dass schwarze Löcher eine „robuste Bestätigung“ für die Richtigkeit der Theorie sind. Dass ihre Existenz also zwingend aus der Relativitätstheorie folgt. Einstein selbst hatte das zeitlebens angezweifelt. So bezwang er den „Meister“ mit dessen eigenen Waffen.

 

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