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11.12.2020 09:01 Alter: 38 days
Kategorie: History

Wie eine Pandemie die Gesellschaft reformierte


Florenz im 14. Jahrhundert

 

Im 14. Jahrhundert wütete in Europa die Pest. Eine Pandemie mit schlimmeren Auswirkungen, als uns durch Corona jemals drohen werden. 30 bis 70 Prozent der Bevölkerung des Kontinents starben im Verlauf weniger Jahre. Und doch gab es einige Parallelen zur heutigen Zeit. Wenn wir uns heute fragen, wie es nach Corona weitergehen soll, dann lohnt es sich nachzusehen, wie die Menschen am Ende des Mittelalters ihre Welt neu aufbauten.

Im 14. Jahrhundert war Florenz noch nicht das Mekka der Kunst, als das wir es heute kennen. Es war eine Kaufmannsstadt mit streng geregelten sozialen Strukturen, wie sie im Mittelalter üblich waren. Den Zugang zum Wohlstand kontrollierten wenige aristokratische Patrizierfamilien, die das Handels- und Bankwesen beherrschten. Doch die Pandemie machte auch vor ihnen nicht halt. Es war keine Seuche der „kleinen Leute“, sondern auch zahlreiche Adlige fielen der Pest zum Opfer. Die damaligen Maßnahmen zum Eindämmen der Seuche waren übrigens gar nicht so viel anders als heute. Die Bewohner der Städte wurden angehalten, zu Hause zu bleiben, Geschäfte mussten schließen, der Handel kam zum Erliegen. Ein mittelalterlicher Lockdown.

Die Pestärzte schützten sich vor Ansteckung durch das Tragen von Masken, die eine charakteristische Schnabelform hatten, wie man sie

heute noch von venezianischen Karnevalskostümen kennt. Viele Möglichkeiten standen den damaligen Ärzten nicht zur Verfügung. Alles, was man tun konnte, war es, die infektiösen Toten schnellstmöglich aus den Städten zu entfernen. Da man damals noch der antiken Humoralpathologie anhing, glaubte man, die Pest entstehe durch ein Missverhältnis der Körpersäfte, anstatt der wahren Ursache - den katastrophalen hygienischen Zuständen - ernsthaft zu Leibe zu rücken.

Als die Pest dann abebbte und im das normale Leben wieder aufgenommen wurde, kam die Wirtschaft in Florenz nur schleppend in Gang. Es mangelte den Banken und Handelshäusern an Arbeitskräften. Zu viel qualifiziertes Personal war gestorben. Notgedrungen änderte man „die

Regeln“ und eröffnete den Zugang zu den „Fleischtöpfen“ lukrativer Arbeitsplätze für Leute, die man früher nicht einmal in die Stadt hereingelassen hätte. Selbst für Migranten! Es kam so zu massiven sozialen Umwälzungen.

 

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