< EGO - also WER?
30.08.2018 14:14 Alter: 4 yrs
Kategorie: History

Die dunkle Vergangenheit der Anti-Baby-Pille


Für moderne Frauen von heute ist Empfängnisverhütung mit Hilfe der „Pille“ eine Selbstverständlichkeit. Würden sie aber wissen, wie diese Medikamente entstanden sind, würde mancher von ihnen die Pille vermutlich im Hals steckenbleiben. Die Geschichte dieses Medikaments ist eine Horrorstory, die von Kolonialismus, Eugenik und menschenverachtenden Experimenten erzählt, bei denen es sogar

zu Todesopfern kam.

Begonnen hatte alles im Zuge des Kampfes um Frauenrechte. Die amerikanische Krankenschwester Margaret Sanger erklärte öffentlich, Frauen würden niemals frei sein, bevor sie nicht die Selbstbestimmung über ihren Körper erlangt hätten, was die freie Entscheidung über eine Schwangerschaft einschließe. Was auf den ersten Blick fortschrittlich und liberal klingt, war stark rassistisch bis menschenverachtend geprägt. Sanger war der Ansicht, durch Geburtenkontrolle würde die Geburt „unerwünschter“ Mischlinge, aber auch die Nachkommenschaft

mental oder physisch Behinderter oder von Armen reduziert oder eliminiert. Bei der Entwicklung der „Pille“ stand also Eugenik Pate! Margaret Sanger lernte Dr. Gregory Pincus kennen, einen umstrittenen Reproduktionsbiologen, und fragte ihn, ob er in der Lage sei, eine preiswerte Geburtenkontrollpille zu entwickeln. Er sagte zu, es zu versuchen.

Zu jener Zeit waren die weiblichen Fortpflanzungsorgane noch unzureichend erforscht. Geburtenkontrolle war durch staatliche Gesetze streng reglementiert, Forschung und Weiterverbreitung von Wissen zu diesem Thema de facto illegal. Margaret Sanger war bereits 1916 wegen öffentlichen Verbreitens von Informationen zur Schwangerschaftskontrolle verhaftet und verurteilt worden.

Dr. Pincus begann in den Fünfziger Jahren mit seiner Arbeit, gemeinsam mit dem Gynäkologen John Rock. Im Geheimen untersuchten sie, inwieweit das Hormon Progesteron eine Schwangerschaft verhindern konnte. Experimentieren konnten sie nur an Ratten und Kaninchen, und da wirkte es. Um die Wirkung an Frauen zu testen, waren weitere Versuchsreihen nötig. In Massachusetts, wo sie arbeiteten, hätten sie schon allein dafür ins Gefängnis kommen können, dass sie nur im Labor darüber forschten.

Pincus und Sanger hielten Puerto Rico für ein ideales Testgelände. Es gab dort einen hohen Geburtenüberschuss, die Bevölkerung war arm. Es gab dort auch Geburtenkontrollkliniken, die schon Franklin D. Roosevelt eingerichtet hatte und die inzwischen von dem Privatunternehmer Clarence Gamble (Procter & Gamble) betrieben wurden.

Gamble war der Ansicht, Puertoricaner und andere Arme sollten „ausgelöscht“ werden, um Platz für „fittere“ Menschen zu machen. Aus seinen Kliniken rekrutierte Pincus seine Testpersonen. Man veranstaltete Schulungen für Frauen aus Armutsvierteln und pries ihnen die neuen Geburtenkontrollmethoden an. Dass sie noch ungetestete Medikamente einnehmen sollten und wie hoch die Risiken wären, sagte man ihnen

nicht. 

Überhaupt wurden die Risiken - Übelkeit, Erbrechen, Thrombosen - nirgendwo dokumentiert. In diesen Nebenwirkungen sah Pincus keine Veranlassung, an seiner Rezeptur etwas zu ändern. Und die Dosis war um ein Vielfaches höher als bei den heute üblichen Präparaten.

Es kam im Verlauf der Tests zu mindestens drei Todesfällen. Die Todesursachen wurden niemals untersucht, Autopsien niemals durchgeführt.

Nach heutigen Standards der Pharmaindustrie waren solche geheim und ohe Wissen der Testpersonen durchgeführten Testreihen unethisch und auch unsicher. Für Pincus waren sie dennoch ein Erfolg. Die überlebenden Frauen wurden zu 100 % nicht schwanger. Eine zweite Testreihe, die Gamble finanzierte, wurde - wiederum ohne Wissen der Testpersonen - in einem Asyl für mental gestörte Personen

durchgeführt.

Unter dem Markennamen Enovid wurde das Medikament 1957 zugelassen und kam ab 1960 in den Handel. Es wurde sofort zum Hit in den USA. Noch immer waren die Nebenwirkungen weder dokumentiert noch verstanden. Und die ahnungslosen Testpersonen aus Puerto Rico waren vergessen.

Aber was erwartet man eigentlich von einem Land, das an seinen Grenzen Kleinkinder in Käfige sperren lässt...

 

Quelle: Matrix3000 Band 107

 

Matrix3000 Band 107 als E-Paper downloaden