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25.03.2021 11:33 Alter: 186 days
Kategorie: Politik

Joe Bidens Mondfahrt


Ungeachtet seiner Ankündigung, sich in seiner Amtszeit vorrangig der gesellschaftlichen Befriedung seines Landes und der Bewältigung

der Corona-Krise zu widmen, muss sich der neue US-Präsident auch um Dinge kümmern, die etwas weniger vor seiner Haustür liegen.

So hatte sein Vorgänger Donald Trump in den letzten vier Jahren auch ehrgeizige Weltraumpläne angestoßen, und es wäre klug, wenn Joe Biden diese Pläne auf seine Art weiter verfolgen würde. Die wesentlichen Impulse Trumps in Richtung Weltraum waren die Gründung der Space Force als zusätzliche Waffengattung sowie die Rückkehr zum Mond. Letzteres hat die NASA für 2024 angekündigt, also noch während Bidens Amtszeit. Das Projekt „Artemis“ (Schwester von Apollo) ist in vollem Gange.

Diesmal geht es nicht nur darum, auf dem Mond nur „Winke-Winke“ zur Erde zu machen, sondern man will „zurückkehren, um zu bleiben“, also eine dauerhaft bemannte Mondstation zu errichten. Für die ungeheure logistische Herausforderung müsste wohl auch der Weltraum-Unternehmer und Trump-Spezi Elon Musk ins Boot geholt werden.

Eine kitzlige Sache. Der Mond ist vor allem deshalb wichtig, weil seine Oberfläche wertvolle Bodenschätze enthält, seltene Erden, die für Technologien wie Mobiltelefone, Batterien und militärische Ausrüstungen in Mengen gebraucht werden. Auf der Erde werden diese Stoffe zu 90% in China gefördert, dessen Beziehungen zu den USA nach Trumps aggressiver Handelspolitik so schlecht sind wie seit den

Zeiten Richard Nixons nicht mehr.

Da steckt Joe Biden in einer Zwickmühle, denn China ist auch eine aufstrebende Weltraummacht, die bereits unbemannte Mondlandefahrzeuge erfolgreich abgesetzt hat. Und so rächt es sich jetzt, dass sich die einstigen führenden Weltraummächte

USA und Russland niemals um vertragliche Regelungen gekümmert haben, die eine regellose Wild-West-Politik auf dem Mond verhindern könnten. Es geht nicht nur um die Absteckung lukrativer Claims für die Gewinnung von Bodenschätzen, sondern vor allem auch um Rechtsrahmen, die den Zugriff auf den Südpol des Mondes regeln. Dort wurden große Vorräte an Wassereis entdeckt, ohne deren Nutzung die Errichtung dauerhafter Mondstationen illusorisch wäre.

Der Weg zum Mond müsste für Joe Biden und seinen Außenminister Antony Blinken zunächst über diplomatische Kanäle in Richtung

Peking führen. Keine einfache Aufgabe, denn China weiß gleichzeitig, dass die US-Mondstation Pekings Monopol für seltene Erden gefährden

würde.

Außerdem müssten internationale Weltraumabkommen auch die übrigen Weltraummächte Indien, Japan und im Nahen Osten einbeziehen,

die in der bisherigen Weltraumpolitik der USA völlig außen vor waren.

 

Quelle: Matrix3000 Band 118

 

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