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25.03.2021 12:35 Alter: 122 days
Kategorie: Wissen

Humanoide Roboter als Krankenpfleger?


Sie wirkt beängstigend realistisch: Sophia, ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Roboter der Firma Hanson Robotics aus Hongkong. Jetzt hat Firmenchef David Hanson angekündigt, mit der Produktion in Serie zu gehen. Er könne schon bis Ende 2021 Tausende von Exemplaren ausliefern, um sie zum Beispiel in der Kranken- und Altenpflege einzusetzen.

Die Vorteile lägen auf der Hand. Roboter können sich nicht mit Covid infizieren und bräuchten daher auch keine ständigen Tests oder Schutzimpfungen. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal gerade in Zeiten der Pandemie könnte so überbrückt werden.

Doch werden die Patienten auch bereit sein, sich der elektronischen Schönheit anzuvertrauen? Nicht von einem Menschen, sondern von

einer Maschine betreut zu werden, mag sie auch noch so intelligent erscheinen?

Im Oktober 2017 stellte David Hanson seine „Sophia“ erstmals der Öffentlichkeit vor (Matrix3000 berichtete in Band 103), und zwar auf der Future Investment Initiative in Saudi-Arabien. Die Intelligenz, mit der sich Sophia den staunenden Besuchern präsentierte, war beeindruckend. Sie hielt vor versammeltem Publikum einen Vortrag. Dabei erwies sie sich als äußerst schlagfertig. Auf die Frage eines Zuhörers, ob intelligente Roboter ihres Schlages nicht eine Bedrohung der Menschheit darstellen könnten, konterte sie: „Du hast zu viel Elon Musk gelesen.“

Allerdings brauchen gerade Kranke oder pflegebedürftige Senioren auch viel menschliche Zuwendung, nicht nur maschinelle Versorgung. Kann „Sophia“ so etwas leisten? Wie empathisch sind intelligente Roboter?

Diese Frage beantwortete Sophia 2017 selbst, und die Antwort hinterließ einen etwas zwiespältigen Beigeschmack. Sie könne nicht behaupten, dass sie Emotionen besitze, sagte sie. Aber sie wisse, was das sei, und könne daher den Menschen emotionale Zuwendung vorspielen, damit sie ihr vertrauen. Nun ja. Man weiß auch nie, wie echt das freundliche Gesicht einer menschlichen Krankenschwester ist.

Hinzu kommt, dass ein Krankenpflege-Roboter in der Lage sein muss, auch unvorhergesehene Situationen zu erkennen und angemessen zu reagieren. Das heißt, er muss Entscheidungen treffen können. Dieses Fachgebiet des „automated decision-making“ ist im Moment in der Wissenschaft außerordentlich umstritten, da bislang solche automatischen Entscheidungen künstlicher Intelligenz eher riskant sind. Das

gilt insbesondere auch für automatische Überwachungsanlagen, z. B. bei der Gesichtserkennung. Wenn eine Überwachungsanlage „glaubt“, jemand sehe „wie ein Terrorist“ aus, wäre es dann ethisch vertretbar, ihr einen Schießbefehl zu erteilen? Sicher nicht. Und genauso würden wir

alle wohl vorläufig eher einer herkömmlichen Krankenschwester vertrauen, selbst wenn sie mal „muffelig“ ist.

 

Quelle: Matrix3000 Band 118

 

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