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30.09.2021 13:31 Alter: 25 days
Kategorie: Politik

Plastiktütenverbot


Nur Populismus?

Alternativen für „nachhaltiges Einkaufen“ sind nicht unbedingt besser - im Gegenteil!

 

Am 1. Januar 2022 ist es so weit: Plastiktüten werden in Deutschland verboten. Zunächst sieht das wie eine begrüßenswerte Maßnahme zum Umweltschutz aus. Die ekligen Bilder von Plastikinseln, die auf unseren Ozeanen treiben, sind uns allen gegenwärtig. Ebenso die Zeitungsberichte, wonach Mikroplastik in den Körpern von Seefischen in die menschliche Nahrungskette gelangt. Das Verbot der einst beliebten Reklame-Einkaufstüten kann also durchaus als populär bezeichnet werden.

Aber ist es womöglich nur populistisch?

Um das zu klären, muss man sich die Alternativen anschauen. Schließlich können wir nicht ab nächstes Jahr unsere Einkäufe in der hohlen Hand nach Hause tragen. Was verstehen unsere Politiker unter „nachhaltigem Einkaufen“? Papiertüten? Baumwollbeutel? Glas- statt  Plastikflaschen? Wie umweltfreundlich ist eigentlich das alles?

Beginnen wir mit den Papiertüten, die ja schon seit einiger Zeit vom Handel angeboten werden. Transportiert man in ihnen feuchte Ware, dann schaffen sie es oft nicht bis zum Auto auf dem Parkplatz, bevor sie reißen. Um sie genügend tragfest zu machen, müssen sie viel dicker als Plastiktüten sein.

Kritik kommt auch von Umweltschützern: Papier besteht aus Holzfasern, und zur Herstellung der Tüten wird viel Energie und Wasser verbraucht. Die meist braune Farbe der Tüten ist eine Mogelpackung, die dem Kunden suggerieren soll, die Tüte sei aus Recycling-Material. Dabei besteht sie aus neuen Rohstoffen, die lediglich nicht gebleicht wurden.

Im Gegensatz zur Plastiktüte ist die Wiederverwendbarkeit von Papiertüten begrenzt. Experten resümieren: „Alle Ökobilanzen zeigen, dass die Papiertüte noch schlechter abschneidet als die Plastiktüte.“

Soll man also auf den Baumwollbeutel ausweichen? Allerhöchstens, wenn man beabsichtigt, ihn wirklich sehr oft zu benutzen. Die Baumwollproduktion hat eine sehr schlechte Klimabilanz, durch Verbrauch von Anbauflächen, Wasser und Pestiziden. Das dänische Umweltministerium hat berechnet, dass ein Baumwollbeutel 50 Mal benutzt werden muss, um die Bilanz der klimafreundlichsten

Einkaufstasche zu übertreffen (die übrigens eine Plastiktüte ist!)

Der Schaden der Plastik liegt nämlich nicht in ihrer Klimaschädlichkeit, sondern in ihrem Verschmutzungspotenzial und der fehlenden Nachhaltigkeit. Zumindest wenn sie - ganz klassisch - aus Erdöl hergestellt wird.

Sobald man allerdings anfängt, über nachhaltige Plastik aus Zuckerrohr nachzudenken, wird die Klimabilanz schon rapide schlechter. Der weltgrößte Zuckerrohrproduzent der Welt ist Brasilien. Dessen derzeitige Regierung hat keine Skrupel, für die Agrarproduktion riesige Flächen Regenwaldes abzuholzen. Ups!

Wie umweltschädlich Plastik ist, hängt nur davon ab, wie man sie entsorgt. Viele Kunststoffe sind recycelbar, und wenn man Plastik in

Mülldeponien verbrennt, kann man die Abwärme noch als Heizenergie nutzen. Leider wird ein großer Teil unseres Plastikmülls exportiert, etwa nach Malaysia, wo man sich nicht so viel Mühe gibt, sondern den Müll meist ganz einfach in der Natur entsorgt.

Dennoch sollten wir auch auf die beliebten Plastikbeutel mit tiefgefrorenem Gemüse nicht voreilig verzichten und für schnelles Kochen zum Beispiel auf Konserven umsteigen. Tiefkühlgemüse lässt sich nämlich bequem portionieren und der Rest wieder in den Tiefkühlschrank legen. Nur in den seltensten Fällen wird man den gesamten Packungsinhalt auf einmal aufessen. Angebrochene Konserven kann man dagegen nicht aufbewahren, sondern muss große Mengen an Lebensmitteln wegwerfen, was die CO2-Last der tatsächlich verzehrten Nahrungsmenge

immens steigert.

 

Was die Getränkeflaschen anbetrifft, so schneiden Plastikflaschen gegenüber Glasflaschen überraschend gut ab. Eine stabile PET-Plastikflasche kann bis zu 25 Mal wiederverwendet werden. Dass EInwegflaschen aus Glas nicht gerade umweltfreundlich sind, weiß inzwischen wohl jeder. Doch auch die gute alte Mehrweg-Pfandflasche ist nur dann umweltfreundlich, wenn das in ihr enthaltene Getränk aus der Region stammt. Kommen jedoch zum CO2-Abdruck der Reinigung und Desinfektion noch weite Transportwege hinzu, dann ist Ende mit der Umweltfreundlichkeit.

Als Fazit ergibt sich, dass man zwar mit Plastikverpackungen wesentlich sparsamer umgehen sollte als wir es heute tun. Bei vernünftigem Einsatz jedoch sind Plastiktüten besser als ihr Ruf. Zumindest im Vergleich zu den angeblich nachhaltigen Alternativen schneiden sie oftmals viel besser ab. Das Plastiktütenverbot erweist sich in der Tat als eine populistische Maßnahme, die sich in der Öffentlichkeit gut verkauft, letztendlich aber mehr Schaden als Nutzen bringen kann. Genau wie das Verbot der guten alten Edison-Glühbirne, die nur zu viel Abwärme produzierte, jetzt aber durch Alternativprodukte ersetzt wurde, die so viel Giftmüll enthalten (Quecksilber!), das sie auf Sondermülldeponien entsorgt werden müssen.

Tatsache bleibt: Wir brauchen für unsere Einkäufe geeignete Transporttaschen. Die Zeiten sind nun einmal vorbei, als zehn Mann das erlegte Mammut für das gesamte Dorf in einem Stück nach Hause schleppten. Für uns heute wäre die Plastiktüte - überraschenderweise - nicht die schlechteste Lösung.

 

Quelle: Matrix3000 Band 120

 

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