< MUFON-Symposium in Las Vegas
30.09.2021 13:56 Alter: 24 days
Kategorie: History

„Itsy bitsy teenie weenie...“


Der Bikini wird 75

 

Der zweite Weltkrieg war seit einem Jahr vorbei. Endlich Schluss mit Fliegeralarmen, Rationierungen und sonstigen Einschränkungen. Jetzt konnte man sich endlich wieder den schöneren Dingen des Lebens zuwenden.

Zu einem dieser „schöneren Dinge“ wurde das wohl stoffsparendste Kleidungsstück aller Zeiten. Es trägt einen äußerst patriotisch-martialischen Namen und sorgte in seinem Geburtsjahr 1946 für den Skandal des Jahrhunderts.

In jenem Jahr verließ der französische Maschinenbauingenieur Louis Réard sein gewohntes Metier. Anstatt eine neue geile Maschine zu entwerfen, erschuf er das Design für einen neuartigen geilen, zweiteiligen Badeanzug.

Nachdem am 28. Februar 1946 die USA auf dem Bikini-Atoll im Pazifik ihre erste Wasserstoffbombe gezündet hatten, gab es für Réard nicht viel zu überlegen. Er nannte seine neueste Kreation Bikini, in der Hoffnung, der provokative Bade-Zweiteiler werde ebenfalls wie eine Bombe einschlagen.

Er tat es.

Als Réard am 5. Juli im Pariser Freibad Molitor seine Schöpfung erstmals der Öffentlichkeit präsentieren wollte, stieß er auf Probleme. Kein französisches Mannequin wollte ein derart unsittliches Kleidungsstück in aller Öffentlichkeit vor der Kamera tragen.

Man bedenke: Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war gesetzlich genau geregelt, wie viel Haut eine Frau beim Baden zeigen durfte. Ganzkörper-Badeanzüge, Wollstrümpfe und Schuhe waren ein absolutes Muss.

Aber wozu ist man in Paris, fragte sich Louis Réard und engagierte kurzerhand Micheline Bernardini, die im Casino de Paris als Striptease-Tänzerin arbeitete und daran gewöhnt war, bei der Arbeit sogar noch etwas mehr auszuziehen.

Die Presse reagierte weltweit entsetzt. Gerade das Spannungsverhältnis zwischen Nacktheit und minimaler Bekleidung galt als besonders anstößig. In katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal wurde der Zweiteiler am Strand verboten, in den prüden USA sogar bei Schönheitskonkurrenzen und in Hollywood-Filmen.

In seinem Geburtsland Frankreich wurde der Bikini zwar an der Côte d‘Azur polizeilich erlaubt, blieb aber an der Atlantikküste verboten.

Bis in die Sechziger Jahre hinein war der Bikini Skandalobjekt, wie jeder bestätigen kann, der Caterina Valentes Superhit „Itsy bitsy teenie weenie“ noch kennt. Dann erst trug er - zusammen mit dem Minirock der Beat-Generation, zur sexuellen Revolution bei, der eine Reihe uralter Tabus zum Opfer fiel.

Inzwischen dreht sich niemand mehr nach einem Bikini-Girl um, selbst wenn es bei 30 Grad über den Ku‘damm oder die Champs-Elysées flaniert. Es sei denn aus ästhetischen Gründen. Denn wie wußte schon Caterina Valente zu singen: „Der Itsy bitsy teenie weenie Honolulu Strand-Bikini, ja der gefiel ganz besonders den Herrn.“

Also wünschen wir dem Bikini zum 75. Geburtstag noch einmal 75 erfolgreiche Jahre.

 

Quelle: Matrix3000 Band 120

 

Matrix3000 Band 120 als E-Paper-Download