< Studie: Oberflächliches Denken macht konservativ
30.08.2012 12:30 Alter: 9 yrs
Kategorie: Politik

Steuerflucht Ursache der Finanzkrise?


Nach Untersuchungen der britischen Organisation Tax Justice Network (Netzwerk für Steuergerechtigkeit), die von beiden Kammern des britischen Parlaments gegründet worden war, könnte ein Großteil der weltweiten Staatsschulden abgebaut werden, wenn die nationalen Regierungen nur endlich konsequenter gegen die Steuerflucht der Superreichen vorgehen würden.

Nach Schätzungen der Initiative werden derzeit weltweit zwischen 16,7 und 25,7 Billionen Euro vor dem Fiskus versteckt. Dies entspricht dem Bruttoinlandsprodukt der USA und Japans zusammengerechnet. Die Superreichen beschäftigen Heerscharen von Vermögensverwaltern und Finanzberatern, die meist für Großbanken arbeiten, um globale Verflechtungen und Gesetzeslücken zu nutzen, damit man Vermögenswerte in Steueroasen unterbringen kann. Man berief sich auf Zahlen, die James Henry, ein früherer Wirtschaftsexperte des Beratungsunternehmens McKinsey, der Organisation zur Verfügung gestellt hatte. Mehr noch: Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Großbanken bedienen sich solcher Tricks. So gelang es z. B. der Citibank und der Commerzbank, trotz größerer Bilanzverluste in den Jahren 2005- 2010 ihr Vermögen um 10 % pro Jahr zu steigern. Gleichzeitig hatten sie in diesem Zeitraum satte staatliche Unterstützungszahlungen kassiert. Auf der Hitliste der Beliebtheitsskala von Steueroasen stehen nach wie vor die Schweiz und die Kaiman-Inseln in der Karibik ganz oben.

Auf diese Weise gingen den Staaten Gelder verloren, die zum Aufbau der einzelnen Länder benötigt würden. Dies betrifft nicht nur die Eurozone, sondern auch zahlreiche aufstrebende Wirtschaftsnationen. So sind in Russland seit den frühen neunziger Jahren rund 640 Milliarden Euro ins Ausland geschafft worden. In Saudi- Arabien waren es ca. 250 Milliarden Euro, eine ähnliche Summe auch in Nigeria.

Der Bericht von Tax Justice Network verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Dadurch, dass eine immer kleiner werdende Menge von Vermögenden ihr Geld steuersparend auslagert, müssen die Staatsschulden in immer größer werdendem Maße von der Masse der Normalverdiener geschultert werden. Aus ihnen wird durch immer weitere Kürzungen und Gesetzesverschärfungen mehr und mehr Geld zwangsweise herausgepresst, anstatt diejenigen, die ihr Geld sowieso niemals ausgeben können, endlich angemessen zur Kasse zu bitten. Würde man nur die Zinsgewinne der vor dem Fiskus versteckten Vermögen lediglich so besteuern, wie es bei den Normalsparern der Fall ist, stünden den Industrieländern jährlich mindestens 150 Milliarden Euro mehr Steuergelder zur Verfügung.

Quelle: Matrix3000 Band 71