< Wer profitierte wirklich vom Euro?
25.10.2012 15:22 Alter: 10 yrs
Kategorie: Politik

Wie Politiker aus dem Himmel heruntersteigen


"Elder Statesmen" mit prall gefüllter Brieftasche: Tony Blair, Nicolas Sarkozy, Gerhard Schröder

Ehemalige Spitzenpolitiker sind nach dem Ende ihrer Amtszeit meist noch zu jung, um als Pensionäre zu Hause zu sitzen. Doch meist ergeben sich für sie reichlich Möglichkeiten, viel Geld zu verdienen. Hier nur drei Beispiele: Nach dem Auszug Tony Blairs aus Downing Street Nr. 10 verging kaum ein Jahr, und schon engagierte ihn der Vorstand der Bank J. P. Morgan Chase als Berater. Nach einer offiziellen Erklärung der Bank wurde der ehemalige Sonnyboy „zum Zweck der Lieferung strategischer Analysen und interner Visionen für die globale Politik und für neue Tendenzen eingestellt.“ Kurz gesagt – Tony Blairs Auftrag war es, die Reichen noch reicher werden zu lassen. Ein prima Job für einen Ex-Parteichef der Labour Party. Blair sollte dafür 2,5 Millionen Pfund pro Jahr erhalten sowie ein umfangreiches Paket sozialer Privilegien. Doch der Ex-Premier begriff schnell, dass es höchste Zeit war, von der Vergangenheit noch besser zu profitieren. Heute kann er stolz auf seine Entscheidung sein. Den Wert seines Vermögens schätzt man auf fast 100 Millionen Pfund. Er besitzt einen eigenen Privat-Jumbo- Jet, fünf Residenzen in Großbritannien und neun weitere im Rest der Welt. Da sein Honorar bei J. P. Morgan so „gering“ ist, verdient er noch nebenbei etwas, indem er weltweit auf Konferenzen und Veranstaltungen präsent ist. Er lässt sich nur für sein Erscheinen etwa 200.000 Pfund bezahlen. Dazu kommen noch Honorare für Konsultationen und Vermittlungsleistungen bei Verhandlungen zwischen Regierungen und großen Unternehmen. Die neuesten Schätzungen der Financial Times ergaben, dass sein jährliches Gesamteinkommen etwa sechs Millionen Pfund beträgt.

Das zweite Beispiel ist Nicolas Sarkozy. Noch während seiner Wahlkampagne als amtierender Präsident sagte er, er könne schon den Moment nicht erwarten, in dem er als Mitarbeiter großer Unternehmen Gelegenheit haben würde, die „finanziellen Defizite“, die ihm seine Präsidentschaft eingebracht hat, zu kompensieren. Seinen ersten Auftrag als Privatmann erhielt er von der Bank Morgan Stanley. Für eine 45minütige Rede und eine anschließende 15minütige Fotosession sollte er 200.000 € kassieren. Als „armer Präsident“ von Frankreich hatte er lediglich 17.000 € erhalten - monatlich! Im Moment befindet sich Sarkozy noch an einem Scheideweg. Er hat eine Anwaltskanzlei eröffnet, und politische Beobachter meinen – sollte er sich wirklich entschließen, für große Unternehmen tätig zu werden, würde dies das Ende seiner weiteren politischen Ambitionen bedeuten. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder engagiert sich – wie wir alle wissen – in wirtschaftlichen Angelegenheiten größeren Kalibers. Heute ist er der wichtigste und bedeutendste Mann zur Lösung von Problemen im Osten. Wenn eine deutsche Firma, die in Russland aktiv ist, irgendwelche Probleme hat, so weiß man, an wen man sich wenden muss. Schröders tägliche Arbeit ist etwas bescheidener. Er konzentriert sich angeblich auf seine Arbeit als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nordstream AG. Die Firma betreibt die Gaspipeline durch die Ostsee nach Deutschland. Hauptaktionäre von Nordstream sind der russische Energieriese Gazprom und die deutschen Konzerne E.ON und BASF. Für eine Anleihe der Firma in Höhe von einer Milliarde Euro bürgt die deutsche Bundesregierung. Schröders Kandidatur für den Aufsichtsratsposten sorgte in Deutschland für Empörung, weil er dadurch vom Verhandlungspartner Wladimir Putins zu dessen Untergebenem wurde. Nach inoffiziellen Informationen erhält er allein für seine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat ca. 1,5 Millionen € pro Jahr. Eine ungewöhnliche Karriere für einen Sozialdemokraten, der einst als Vorsitzender der Jungsozialisten nur Rollkragenpullover trug und einen Anzug bereits als „Symbol kleinbürgerlichen Zerfalls“ bezeichnete. Der Ex-Kanzler genießt heute großes Vertrauen, nicht nur bei deutschen Geschäftsleuten, sondern bei der gesamten europäischen Finanzelite. Noch muss er jedoch ständig unter Beweis stellen, dass er im Fall westlicher Kritik an Gazprom die westliche Seite ausreichend sachlich und erfolgreich im Kreml repräsentieren kann.

Alle drei Beispiele zeigen uns die nicht formale Diplomatie ehemaliger Staatsmänner im Wirtschaftsleben. In der japanischen Geschäftskultur hat die Sache sogar einen Namen: amakudari, was so viel bedeutet wie „aus dem Himmel herunterzusteigen.“ Amakudari bedeutet, dass man einflussreiche Staatsbedienstete nach der Pensionierung in großen Privatfirmen beschäftigt. In den USA heißt diese Erscheinung „Drehtür“. Mit dieser Tür geht man von der Politik zum Business, und wenn man will, auch wieder zurück. Eine Beschäftigung eines Politikers ist eine Investition, die sich lohnen muss. Der Unterschied ist - in der Wirtschaft muss ein Politiker seine Versprechen einhalten.

Quelle: Matrix3000 Band 72