< Die Nachrichtenmacher
26.02.2009 13:36 Alter: 10 yrs
Kategorie: Politik
Von: Franz Bludorf

Obamas „Doppelgänger-Eid“


Foto: Reuters

Foto: Getty Images

Was wurde vermieden, was wurde erschaffen?

Musste Barack Obama zwei Mal den Amtseid leisten, um sein Schicksal zu ändern?

Bei der traditionellen Zeremonie auf den Stufen des Capitol kam es zu einer seltsamen Panne. Nach Artikel II der US-Verfassung lautet die Eidesformel: „I do solemnly swear that I will faithfully execute the office of President of the United States, and will to the best of my ability, preserve, protect and defend the Constitution of the United States.” („Ich schwöre feierlich, dass ich getreu das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausüben werde, und ich werde das Beste nach meinen Fähigkeiten tun, um die Verfassung der Vereinigten Staaten zu bewahren, zu schützen und zu verteidigen.”) Chief Justice John G. Roberts machte jedoch einen Fehler und sagte „I will execute the office of President of the United States faithfully“. Obama, der den Text offenbar gut auswendig gelernt hatte, stockte in diesem Moment, worauf der oberste Bundesrichter den Satzteil wiederholte – diesmal mit dem Wort „faithfully“ an der richtigen Stelle, dafür ließ er aber das Wort „execute“ aus. Obama sprach daraufhin den Eid gemäß Roberts‘ erster Version weiter, also mit „execute“, aber mit „faithfully“ an der falschen Stelle.

Die Verfassung schreibt vor, dass der US-Präsident den vorgeschriebenen Eid vor Antritt der Amtsgeschäfte zu leisten hat. Um mögliche Anfechtungen von Obamas Präsidentschaft von vornherein zu vermeiden, leistete der neue Präsident den Eid am nächsten Tag noch einmal, diesmal im Weißen Haus. Diese zweite Eidesleistung – in den USA spricht man inzwischen auch vom „Doppelgänger-Eid“ – wurde zur geheimen Kommandosache.

Nur neun Personen – außer dem Präsidenten und dem Bundesrichter – waren eingeweiht und bei der Zeremonie anwesend: vier Assistenten, vier Reporter und ein Fotograf des Weißen Hauses. Schauplatz des Geschehens war ein Raum, in dem sich früher der Billardtisch befunden hatte, bis ihn Franklin D. Roosevelt im zweiten Weltkrieg zum geheimen „Map Room“ deklarierte. Erst nachdem die Eidesleistung diesmal geklappt hatte, wurde der Vorgang öffentlich gemacht.

Insider ziehen aus dieser Geheimniskrämerei den Schluss, die ganze Panne vor dem Capitol sei möglicherweise ein abgekartetes Spiel gewesen. Barack Obama sieht sich, wie er mehrfach öffentlich betonte, in der Tradition Martin Luther Kings, und viele sehen in ihm den neuen John F. Kennedy. Beide Vorbilder wurden ermordet. Bei der Vereidigung vor dem Capitol musste Obama seine Hand auf Abraham Lincolns Bibel legen. Auch Lincoln war einem Attentat zum Opfer gefallen.

Vermutungen der Insider zufolge kam bei der Aktion „Eid im Doppelpack“ Freimaurerwissen zum Tragen. Die Eidesleistung ist ein Ritual, bei dem bestimmte äußere Symbole zur Bekräftigung eingesetzt werden. In diesem Fall sind es das Gebäude des Capitols und die Bibel. Beide sind jedoch von der Verfassung nicht zwingend vorgeschrieben. Lyndon B. Johnson z. B. leistete den Eid nach der Ermordung John F. Kennedys in einem Flugzeug und legte seine Hand auf ein katholisches Messbuch. Bei Obamas zweiter Vereidigung war überhaupt keine Bibel im Spiel. Möglicherweise wurde also das korrekte Vereidigungsritual in mehreren Details abgewandelt, um eine Wiederholung der Geschichte zu vermeiden. Es ist bekannt, dass eine Unterbrechung oder Abänderung eines Rituals schwerwiegende Konsequenzen auf den Ablauf der Geschichte haben kann, wie z. B. das Schicksal mehrerer US-Präsidenten (insbesondere John F. Kennedy) oder die Spaltung der christlichen Kirche im 11. Jahrhundert zeigen. Jegliche Korrektur an einem traditionellen Ritual kann Ausgangspunkt für eine neue Zeitschleife – oder Zeitfalle – in der Weltgeschichte sein. Noch vor der Amtseinführung Barack Obamas wurde immer wieder in den USA der Satz zitiert: „Wir haben ein Rendezvous mit der Geschichte.“ Vielleicht war das jemandem im Hintergrund doch zu riskant, und so wurde entschieden, mit dem 20. Januar 2009 eine ganz neue Geschichte zu schreiben.

Viel wurde übrigens auch darüber gerätselt, wer der Mann auf dem Porträt an der Wand ist, vor der die Zeremonie der zweiten Vereidigung Obamas vollzogen wurde. Es ist Benjamin Latrobe, der Erbauer des Capitol...

Weiterführende Literatur zu den Themen

Rituale, Washington, Code der Weltgeschichte:

Washington – Stadt der Macht. Matrix3000 Band 38

Unvollendete Rituale. Matrix3000 Band 30

Der Code der Weltgeschichte. Matrix3000 Band 41

Fosar/Bludorf: Zeitfalle

Fosar/Bludorf: Terra Incognita

Quelle: Matrix3000 Band 50