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25.08.2011 12:27 Alter: 9 yrs
Kategorie: Politik

Wetten auf die Apokalypse


Lukrativ für Spekulanten: Erdbeben- und Atomkatastrophen, wie hier in Japan.

Die Perversion nimmt kein Ende, wenn es um Gier nach Profit und die Erschließung neuer Verdienstquellen geht. Es gibt tatsächlich Menschen auf unserem Planeten, die sich aus tiefstem Herzen darüber freuen, wenn die Schlagzeilen der Tagespresse über Katastrophen mit vielen Toten, über einen Wirtschaftscrash oder einen neuen Krieg berichten.

Seit neuestem können betuchte Spekulanten nämlich nicht nur auf den Tod einzelner Menschen wetten (Matrix3000 berichtete darüber in Band 64), sondern sogar auf die globale Apokalypse. Was immer an Heimsuchungen der Welt bevorstehen mag – gigantische Kataklysmen, der Zusammenbruch der US-Wirtschaft, Krieg im Nahen Osten – wer sein Geld in Mark Spitznagels hochspekulativen Hedge Fonds Universal Investments einzahlt, der verdient sich am globalen Elend eine goldene Nase.

Die Spekulation auf das im Grunde Undenkbare erfordert große Geduld, denn es kann Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis der Katastrophenfall eingetreten ist und die Renditen sprudeln. In den Jahren dazwischen verlieren die Investoren täglich Geld. Es ist also kein Anlagemodell für Leute, die kein ausreichendes finanzielles Durchhaltevermögen haben. Spitznagel zählt daher bislang auch nur 15 Privatinvestoren zu seinen Kunden, die jeder mit mindestens 50 Millionen Dollar dabei sind. Das bislang äußerst ereignisreich verlaufene Jahr 2011 – Fukushima, Griechenland-Pleite, US-Haushaltskrise, Umstürze im Nahen Osten – lassen Wetten auf den „einstürzenden Himmel“ lukrativer erscheinen denn je zuvor. Im Gegensatz zu den meisten Anlegern, die in unsicheren Zeiten ihr Portfolio möglichst breit streuen, um das Risiko zu minimieren, gehen die Kunden der „Armageddon-Fonds“ den diametral entgegengesetzten Weg: Sie setzen auf das scheinbar Unmögliche und warten dann ab, um im Fall des Falles um so satter abzusahnen.

Was noch erschreckender ist: Die Abzocke mit der Apokalypse ist beileibe nicht mehr nur eine Domäne einiger skrupelloser Superreicher, die den Hals nicht voll genug bekommen können und denen kein Geld der Welt zu schmutzig ist. Mittlerweile beteiligen sich in den USA sogar staatliche Pensionsfonds an den Wetten auf den Weltuntergang. Das ist natürlich in mehrerlei Hinsicht skandalös. Zum einen fragt man sich, wie Manager öffentlicher Fonds, die dem Gemeinwohl verpflichtet sein sollten, sich an derlei menschenverachtenden Spielchen beteiligen können. Zum anderen muss auch die Frage erlaubt sein: An wen werden die Fondsmanager eigentlich die Renditen auszahlen, wenn es tatsächlich zum „Zahltag“ kommen sollte. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis man auch noch auf eine Invasion feindseliger Außerirdischer spekulieren kann? Oder auf einen möglichen Weltuntergang am 21. 12. 2012, wenn der Maya-Kalender endet? Oder decken Spitznagels Universal Investments auch diese Risiken bereits ab?

Quelle: Matrix3000 Band 65