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27.02.2014 11:22 Alter: 9 yrs
Kategorie: Politik

Berliner Nahverkehr: Millionen verzockt


Dass das vielfach so hochgelobte „vorbildliche“ Nahverkehrssystem Berlins im Grunde marode ist, ist kein Geheimnis. Betriebsausfälle sind an der Tagesordnung. Notwendige Sanierungen ziehen sich jahrzehntelang hin. Die Kassen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind klamm… Wie sich jetzt herausstellte, hat der chronische Geldmangel der BVG unter anderem auch damit zu tun, dass horrende Geldsummen zweckentfremdet wurden. Im Juli 2007 schlossen BVG-Mitarbeiter ein dubioses Wettgeschäft mit der amerikanischen Bank JP Morgan ab. Gegenstand der Wette war, ob 150 auf einer Liste genannte Unternehmen in nächster Zeit bankrott machen würden. Sollte dies nicht geschehen, hätte die BVG einen Wettgewinn von 5,7 Millionen Euro einstreichen können.

Was dann kam, wissen wir alle: Eine weltweite Finanzkrise, und mehr als nur einige der 150 genannten Firmen brachen zusammen. Darunter übrigens auch die Lehman Brothers Bank… Auf jeden Fall hatte die BVG ihre Wette verloren.

Bekannt wurde der skandalöse Vorgang dadurch, dass JP Morgan Anfang dieses Jahres die BVG auf Zahlung des bei der Wette verlorenen Geldes verklagte – insgesamt 150 Millionen Euro plus Zinsen.

Die BVG lehnt die Zahlung ab, da man laut Auskunft ihrer Anwälte nicht ausreichend über das Risiko aufgeklärt worden sei. Das Geschäft sei daher von Anfang an nichtig gewesen. Dabei kamen Tatsachen ans Licht, die eine geradezu absurde Dummheit der BVG-Finanzzocker ans Tageslicht fördern. Man habe – so heißt es – geglaubt, man würde gerade auf den Bankrott der 150 Firmen wetten (und nicht umgekehrt), und man habe nie kapiert, wann man wie viel bezahlen müsste. Im Grunde war die Wette für die Berliner gar nicht zu gewinnen. Dazu hätten nämlich alle 150 Firmen bestehen bleiben müssen. Eine einzige Firmenpleite reichte bereits aus, damit JP Morgan Sieger war. Nur konnte in Berlin vermutlich niemand lesen – vom Denken ganz zu schweigen. Eingefädelt hatte das Ganze ein „Finanzexperte“, der inzwischen nicht mehr für die BVG tätig ist. Allerdings hatte kein Geringerer als der damalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) das Geschäft abgesegnet, der bekanntlich nach einer gescheiterten Zweitkarriere als Bundesbanker inzwischen als rechtspopulistischer Buchautor reüssiert. Also insgesamt doch ein Finanzskandal erster Güte, wie ihn Berlin nicht zum ersten Mal erlebt.

Die Frage, die in diesem Zusammenhang kaum jemand stellt: Was haben BVG-Mitarbeiter überhaupt mit Unternehmensgeldern an der Börse zu zocken, anstatt sich ihrem eigentlichen Job zu widmen, den ordnungsgemäßen Betrieb des öffentlichen Personennahverkehrs in der Stadt aufrechtzuerhalten?

Quelle: Matrix3000 Band 80