08/30/2018 16:29

Dritte Welt verseucht - unserem Wohlstand zuliebe

Category: Politik

Gern geäußerte Argumente von Populisten gegen Migration sind es, die Migranten würden unseren schwer erarbeiteten Wohlstand bedrohen bzw. von ihm profitieren wollen. Man benutzt dazu das Zerrbild von den fleißigen, hoch entwickelten Weißen und den faulen, rückständigen Angehörigen anderer Kulturen, die sich nur bei uns ins gemachte Bett legen wollen.

Unter Historikern ist die Tatsache unumstritten, dass Europa seinen heutigen Wohlstand im Wesentlichen dem Kolonialismus verdankt, durch den andere Kontinente zur Verfügungsmasse für Europas Wirtschaft erklärt und jahrzehnte- oder gar jahrhundertelang brutal ausgebeutet wurden.

Noch heute verfahren europäische Politiker gern nach „Kolonialherrenart“, indem sie etwa über die Köpfe von Politikern der dritten Welt hinweg entscheiden (siehe die Meldung oben). Noch krasser sind die Auswirkungen der Globalisierung. Multinational agierende Konzerne verlagern ihre Produktion in Länder Asiens oder Afrikas, um bei dem dortigen Hungerlohnniveau billiger für die europäischen Märkte produzieren zu können. Diese Weltregionen sichern also bis heute unseren Wohlstand, auf Kosten der einheimischen Bevölkerung.

Beispiel Indien: In der südindischen Millionenmetropole Hyderabad hat sich eine Hochburg der internationalen Pharmaindustrie entwickelt. Hier produzieren die Pharma-Multis billige Antibiotika und andere Medikamente, die dann zum größten Teil auf dem europäischen Markt landen, um hier bei uns die medizinische Versorgung bezahlbarer zu machen. Die bei der Produktion entstehenden Abwässer leiten sie rücksichtslos in den nahen Musi-Fluss, der inzwischen so absurd verseucht ist, dass man aus ihm nicht einmal mehr Brauchwasser gewinnen kann. Unter anderem finden sich im Fluss hohe Antibiotika-Konzentrationen und sogar multiresistente Keime. Nicht nur die Fische sterben in Massen, auch die Kühe geben kaum noch Milch, und für die Menschen wird das Trinkwasser knapp. Krebserkrankungen, Fehlgeburten und Nierenversagen sind an der Tagesordnung.

Indische Politiker und Umweltschützer kämpfen seit Langem darum, diese unhaltbaren Zustände zu ändern. Doch bislang geschah nichts. Auf Petitionen an die EU folgte lediglich eine Eingangsbestätigung aus Brüssel, mit dem Hinweis, man würde sich mit dem Problem befassen. Vorerst hat man Wichtigeres zu tun, zum Beispiel die Geschädigten westlicher Ausbeutungspolitik daran zu hindern, sich nach Europa zu retten. Wer profitiert hier eigentlich von wem?

Quelle: Matrix3000 Band 107