08/30/2018 17:07

US-Unabhängigkeitserklärung - eine „Hassrede“?

Category: Politik

Immer wieder hört man, seit Donald Trump Präsident ist, sei in Amerika nichts mehr so wie es war. Nationalismus, Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten bestimmten seither das politische Leben. Da ist es berechtigt, die Frage zu stellen, ob es wirklich jemals anders war. Ist das Klischee von den USA als „Hüter der Freiheit und Menschenrechte“ nicht schon immer naiv gewesen?

Die Beantwortung dieser Frage kam überraschenderweise von Facebook. Dort hatte eine Lokalzeitung aus Texas Auszüge aus der US-Unabhängigkeitserklärung gepostet. Und genau dieses Posting erklärte sperrte einer der Web- Bots von Facebook als vermeintliche „Hassrede“!

Anstoß nahm das Filterprogramm an einer Passage, in der die Gründerväter der USA den britischen König verbal angriffen: „Er hat Erhebungen gegen uns in unserem Heimatland veranlasst und versucht, auf unsere Grenzbewohner Indianer zu hetzen, erbarmungslose Wilde, deren Kriegsführung bekanntlich in der Niedermetzelung jeglichen Alters, Geschlechtes und Standes ohne Unterschied besteht.“

Diese Passage ist ohne Frage offen rassistisch. Dennoch nahm Facebook die Sperrung des Beitrags mit einer Entschuldigung wieder zurück. Da vermutlich keiner von uns die Unabhängigkeitserklärung je komplett gelesen hat, sollten wir hellhörig werden. Wenn die Gründerväter der USA die amerikanischen Ureinwohner „erbarmungslose Wilde“ nannten, unterscheidet sie im Grunde nicht viel von Trump, wenn er Mexikaner pauschal zu „Verbrechern und Drogenschmugglern“ deklariert.

Wenn man die Unabhängigkeitserklärung genauer unter die Lupe nimmt, so kommt man zu dem Schluss, dass sie zwar mit der berühmten Menschenrechtspassage beginnt: „Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind.“ Im weiteren Verlauf des Textes wird aber deutlich, dass diese Menschenrechte vor allem (wenn nicht ausschließlich) für die weißen Kolonisten gelten sollen, auf jeden Fall nicht für die Indianer, die man ja gleich mit passenden Attributen abqualifizierte. Wohl auch nicht für die Schwarzen, die Ende des 18. Jahrhunderts fast alle noch Sklaven waren. Auch der erste US-Präsident George Washington hielt auf seiner Farm ein paar Sklaven, die er von seinem Vater geerbt hatte.

Aber auch sonst ist die Unabhängigkeitserklärung weniger ein Manifest für Freiheit und Menschenrechte, sondern eher eine politische Streitschrift, die - teilweise in recht rüder Form - gegen die Briten hetzt, gegen die man ja im Bürgerkrieg um die Unabhängigkeit gekämpft hatte. Das meiste davon würde man heute als „Verschwörungstheorien“ bezeichnen. Während man der britischen Krone vorwarf, die indigene Bevölkerung Amerikas gegen die weißen Neubürger - die ja im Grunde die Invasoren waren - aufgehetzt zu haben, verschwieg man geflissentlich, was die weißen Siedler den Indianern so alles angetan hatten. Das Dokument zeigt ungeschminkt, welche rassistischen Altlasten die USA seit ihrer Gründung mit sich herumschleppen. Gut, dass Facebook die Sperrung dieses „Hasskommentars“ aufgehoben hat. So kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Quelle: Matrix3000 Band 107