08/30/2018 18:27

Flog Asteroid „Oumuamua“ mit Eigenantrieb?

Category: Wissen

Am 19. Oktober 2017 entdeckten Astronomen am Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii einen seltsamen Himmelskörper, der im inneren Sonnensystem unterwegs war. Seine Bahnebene verlief fast senkrecht zu denen sämtlicher Planeten, weswegen man ihn zuerst für einen Kometen hielt. Da er jedoch weder Schweif noch Koma hatte, stufte man ihn schließlich als Asteroiden ein. Durch Rückrechnung seiner Bahndaten ergab sich, dass er aus den Tiefen des Weltalls etwa aus dem Bereich des Sterns Wega im Sternbild Leier gekommen sein musste. Es war das erste beobachtete interstellare Objekt in unserem Sonnensystem. Der kosmische Brocken wurde „Oumuamua“ genannt, was im Hawaiianischen so viel wie „zuerst erreichen“ bedeutet. Man wollte ihn durch seinen Namen als Boten aus einer fernen Vergangenheit charakterisieren, da er von der Wega bis zu uns vermutlich Hunderttausende von Jahren unterwegs war.

Obwohl Oumuamua selbst mit stärksten Teleskopen nur als Lichtpunkt zu sehen war, deuteten dramatische Helligkeitsschwankungen darauf hin , dass er eine zigarrenförmige Gestalt haben muss, mit einer Länge von etwa 400 Metern. Selbst gestandene Wissenschaftler waren sich nicht sicher, ob es nicht ein Raumschiff sein könnte. Forscher des Projekts „Breakthrough Listen“, das vom russischen Milliardär Juri Milner und Stephen Hawking initiiert wurde, starteten am Green-Bank-Observatorium in West Virginia einen Lauschangriff auf den kosmischen Knirps, ohne jedoch eindeutige Hinweise zu finden, dass er „mehr ist als nur ein Brocken im Weltall“. Oumuamua war nur auf Stippvisite bei uns. Er hat in diesem Sommer bereits den Jupiter passiert und wird in vier Jahren Neptun erreichen, um dann wieder in den Tiefen des Alls zu verschwinden.

Was aber nicht verschwunden ist, sind die Daten, die man über ihn gesammelt hat. Und die hat jetzt die NASA ausgewertet und machte eine aufsehenerregende Entdeckung: Auf seinem Flug durchs innere Sonnensystem hat Oumuamua kurz beschleunigt und dadurch seine Bahn verändert. Die Abweichungen waren nicht durch Gravitationseinflüsse unserer Planeten erklärbar.

Bei allem Respekt: Weder beschleunigen Asteroiden, noch ändern sie die Richtung. Also doch ein Raumschiff? „Diese zusätzliche Kraftwirkung auf Oumuamua deutet auf Ausgasungen von Material aus seinem Innern hin.“, so die NASA. Genau auf diesem Rückstoßprinzip basieren auch unsere heutigen Raketen!

Die Wissenschaftler sind vorsichtig. Auch Kometen können sich auf ähnliche Weise verhalten, nur haben diese eben normalerweise einen sichtbaren Schweif. Das Rätsel ist also nicht restlos gelöst, und die Forscher warten jetzt ungeduldig auf den nächsten interstellaren Besucher.

Quelle: Matrix3000 Band 107