10/25/2018 14:04

Brot ist älter als Ackerbau

Category: Wissen

Unser täglich Brot, das schon im Vaterunser als das wichtigste Nahrungsmittel erwähnt wird, ist nach neuesten Erkenntnissen viel älter als bislang angenommen. Die lange Zeit gängige Lehrmeinung besagt, dass am Ende der letzten Eiszeit, vor rund 10.000 Jahren, eine neue Kulturepoche der Menschheit begann - die Jungsteinzeit. Die Menschen begannen sesshaft zu werden, Dörfer zu gründen, Ackerbau zu treiben und - schließlich auch ihr „täglich Brot“ zu backen. Es war nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern Brot ist auch haltbarer als Rohgetreide, Getreidebrei oder Mehl.

Ein Fund an einer Ausgrabungsstelle in Shubayqa, Jordanien, hat diese Vorstellung über den Haufen geworden. Man fand dort über 14.000 Jahre alte Sicheln und Mörser, was darauf hindeutet, dass die Menschen also schon 4.000 Jahre früher Wildgetreide ernteten und zu Mehl verarbeiteten. Dass sie daraus nicht nur Brei herstellten, beweisen Funde gebackener Brotreste. Die Untersuchung des Brotes unter dem Elektronenmikroskop ergab, dass der Teig zwar noch nicht gesäuert wurde, dass er aber aus verlesenem gemahlenem und gesiebtem Korn bestand. Das Mehl war aus Einkorn-, Gersten-, Hafer- und Strandbinsenkörnern zusammengesetzt und enthielt darüber hinaus auch gemahlene Wurzeln.

Die Entwicklung ist also vermutlich so verlaufen, dass man mit der Zeit dem Brot als Grundnahrungsmittel eine solche Bedeutung verlieh, dass es sich lohnte, das Getreide in großem Massstab anzubauen. Die damaligen Menschen waren zwar noch Jäger und Sammler, lebten aber schon relativ sesshaft und bewohnten Häuser aus Holz, Kalkstein und Lehm. Funde aus ähnlicher Zeit aus der Türkei belegen, dass es damals auch schon eine staatenähnliche Gesellschaftsstruktur gab, mit Führungspersonen, denen die Untertanen tributpflichtig war. Auch dafür erwies sich das haltbare Brot als zweckmäßig, für das diese frühen Herrscher große Lager anlegten.

Quelle: Matrix3000 Band 108

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