12/20/2018 13:56

Ein Platz zum Sterben

Category: Mystery
By: Gabriele Lukacs

Wien, Schranne, im Jahre 1609

Der Hohe Markt in Wien

Der Hohe Markt im Zentrum des mittelalterlichen Wien war einst Schauplatz grausamer Spektakel, über die wir uns heute keine Vorstellung mehr machen können. Dieser Platz zählte zu den ältesten Richtstätten der Stadt. Dort stand die seit 1325 nachweisbare Schranne, das Stadtgerichtshaus. Später auch der Pranger, eine Schandsäule, und der Narrenkotter, in dem die Missetäter öffentlich zur Schau gestellt wurden. Auf diesem Platz wurden die Verurteilten gehängt, gevierteilt, geköpft und verbrannt. Die Schranne war über Jahrhunderte der Sitz des Stadt- und Landgerichts von Wien. Nach einem Brand im Jahre 1437 wurde das Gerichtsgebäude als stattlicher spätgotischer Bau wieder errichtet.

Vor dem Gerichtsgebäude, von dessen Balkon aus die Urteile verlesen wurden, stand der Pranger. Die Schranne verfügte auch über eine hauseigene Kapelle. Sie hieß wenig ermunternd Zur Todesangst Christi. 1630 und 1740 wurde das Gerichtshaus umgebaut und durch Aufstockung vergrößert, aus dem Balkon wurde eine klassizistische Loggia. 1839 wurde das Kriminalgericht ins Landesgerichtsgebäude „Graues Haus“, heute Justizanstalt Wien Josefstadt verlegt, 1848/51 das Zivilgericht aufgelöst. Danach wurde das geschichtsträchtige Gebäude abgebrochen und 1855 an seiner Stelle ein Wohnhaus mit schlichter, zur Tuchlauben hin abgerundeter Fassade errichtet.

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