12/20/2018 10:31

„Sperrt sie weg!“

Category: Politik

Mit diesem Schlachtruf („Lock her up“) skandierten aufgeputschte Trump-Fans im US-Wahlkampf ihre Forderung, die Gegenkandidatin Hillary Clinton ins Gefängnis zu werfen, da sie in ihrer Zeit als Außenministerin einen Teil ihres E-Mail-Verkehrs über einen privaten Account abgewickelt hatte. Sicher war das ungeschickt, aber die Ermittlungen des FBI konnten ihr keinen Rechtsverstoß nachweisen. Bis heute ist der Schlachtruf zu hören, wenn sich der Präsident mal wieder bei einem öffentlichen Auftritt über „Crooked Hillary“ auslässt.

Nun wurde das Weiße Haus von seiner eigenen E-Mail-Affäre eingeholt, und das auch noch in Donald Trumps engstem Familienkreis. Töchterchen Ivanka hat zu Beginn ihrer Tätigkeit als Präsidentenberaterin einen Teil ihrer dienstlichen E-Mails ebenfalls von einem privaten Account verschickt.

Peinlich. Wird Daddy in Zukunft auch über „Crooked Ivanka“ herziehen? Natürlich nicht. Im Gegenteil hat der Präsident seine Tochter ausdrücklich in Schutz genommen. Ivanka habe nie versucht, die Tatsache, dass sie einen privaten Account benutzt hat, zu verbergen. Merke – wenn Du klaust und hinterher offen darüber redest, dann passiert Dir nichts. Und das „schlagendste Argument“ – Ivanka habe für den Versand der Mails keinen eigenen Mailserver benutzt. Na so was aber auch! Wenn man also dienstliche Mails über GMX oder web. de verschickt, dann ist das nicht so schlimm. Außerdem habe Ivanka am Anfang ihrer Tätigkeit nicht gewusst, dass private Email-Accounts gegen die Regeln des Weißen Hauses verstoßen. Also bitte! So blöd kann nicht mal Ivanka sein, dass sie das nicht wusste, wo ihr Daddy dieses Thema im Wahlkampf doch tagtäglich bis zum Erbrechen ausposaunt hat. Eins muss klar sein: Hätte Trump damals das nicht gleiche Vorgehen von Hillary Clinton zu einem Fall der nationalen Sicherheit hochstilisiert, bräuchte man auch über Ivankas privates Email-Konto kein Wort zu verlieren. 

Quelle: Matrix3000 Band 109

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