08/28/2014 11:47

Vorsicht vor Wikipedia!

Category: Gesellschaft

Wer kauft sich heute schon noch ein Lexikon? Wenn es einigermaßen umfangreich ist, dann ist es „schweineteuer“, zentnerschwer und belegt meterweise Platz im Bücherregal. Dabei kann es doch so bequem sein: Mit ein paar Mausklicks landet man bei Wikipedia und hat Zugriff auf ein scheinbar unerschöpfliches Wissen – und das auch noch jederzeit aktualisiert.

Doch es ist nicht nur Sparsamkeit und Bequemlichkeit, was die Menschen Wikipedia in die Arme treibt. Die „basisdemokratische“ Entstehung dieser Online-Enzyklopädie, bei der jedermann ohne Ansehen der Person eigene Beiträge und eigenes Wissen einbringen kann, bringt sie zu der Überzeugung: Bei Wikipedia finde ich das derzeitige Wissen der Menschheit, umfassend und vor allem unzensiert.

Diese Illusion lässt sich inzwischen nicht mehr aufrechterhalten. Ähnlich wie andere Open-Source- Projekte, z. B. die Betriebssysteme Android und Linux, deren NSA-Verbindungen inzwischen allgemein bekannt sind, hatte auch Wikipedia inzwischen sein „Wiki-Gate“. Nicht nur, dass es zahlreiche Fakes in der Online-Enzyklopädie gibt, erstellt von Scherzbolden und teilweise äußerst langlebig (je mehr sie zitiert werden, desto mehr breitet sich das Schein-Wissen aus). Es gibt auch unter den „Machern“ von Wikipedia einen kleinen engeren Zirkel, der fast schon mafiöse Strukturen aufweist. Diese Leute wachen darüber, dass Wikipedia ke ine n Millimeter von Ma i n s t re am- Meinungen abweicht, und sie löschen alles andere. Wenn nötig, auch mehrmals, falls der Autor nichts unversucht lässt, um sein – möglicherweise alternatives oder spekulatives – Wissen als Information einzubringen. Von „unzensiert“ kann also keine Rede sein, und man kann den Zensor nicht einmal benennen. Umgekehrt können viele Personen, Unternehmen oder Presseerzeugnisse ein Lied davon singen, dass ihnen von Wikipedia Negativattribute angedichtet werden, die meist gar nicht stimmen. Mit der gleichen Rigorosität, mit der der innere Zirkel unliebsame Beiträge löscht, wacht er auch peinlich darüber, dass niemand (z. B. der Betroffene) diese Negativeinträge entfernt. Auf jeden Fall sind sie prompt am nächsten Tag wieder da.

Nach der Flugzeugkatastrophe in der Ukraine lieferten sich die Ukraine und Russland tagelang einen „Wiki-Krieg“ auf den russischsprachigen Wikipedia-Seiten. Im Stundentakt schob abwechselnd eine Seite der anderen die Schuld an dem Absturz zu. Nach einiger Zeit schien man ein „Waffenstillstandsabkommen“ geschlossen zu haben. Die russische Wikipedia- Seite enthält seitdem keinerlei Informationen über mögliche Verantwortliche.

Also – wir haben Sie vor Wikipedia gewarnt. Das „basisdemokratische“ Online-Lexikon kann weiterhin als praktische Starthilfe für eine Internetrecherche dienen. Jegliche Information sollte jedoch durch tiefergehende Recherchen bei anderen Quellen abgesichert werden.

Quelle: Matrix3000 Band 83