04/25/2013 10:58

Präventive Cyberattacken

Category: Politik
By: Martin Hellmann

Hauptkriegsziele des 21. Jahrhunderts sind Mikrochips und Megabytes

Am Anfang ist es einfach nur ärgerlich. Der moderne vernetzte Bürger öffnet sein Postfach, um die E-Mails abzurufen, und er muss die wichtige Mitteilung seines Chefs oder die Einladung zur Dinnerparty mühevoll aus einem Wust von Spam-Mails herausfischen. An die hundertfachen Viagra-Werbungen in allen Schreibweisen, um die Spamfilter der gängigen Firewalls zu durchbrechen, hat man sich ja schon gewöhnt. Ebenfalls an die Einladungen ins Online-Casino oder die zahllosen dubiosen Kredit- und Jobangebote. In letzter Zeit treten auch vermehrt Massen-Spams auf, die man überhaupt nicht lesen kann, selbst wenn man es wollte, da sie nur asiatische Schriftzeichen enthalten. Wer Pech hat, für den ist die Flut irgendwann nicht mehr zu beherrschen. Jeder Mailabruf fördert Hunderte, wenn nicht Tausende solcher Müllsendungen zutage. Die regulären Mails gehen dazwischen fast unter. Und dann kommt sie – die unheimliche Stille. Nichts geht mehr. In diesem Augenblick ist es schon zu spät. Das Speicherlimit des Postfachs ist übergelaufen, die automatischen Sicherheitssysteme des Anbieters haben den Zugang gesperrt. Wer jetzt keinen guten Draht zu seinem Provider hat, dem bleibt nichts übrig als seine E-Mails abzuschreiben und zu einem anderen Anbieter umzuziehen. Meist hat man dann für einige Zeit Ruhe. Viele Menschen haben so etwas schon erlebt, aber kaum jemand stellt sich die entscheidende Frage: Was wäre, wenn das Ziel der Attacke nicht ein E-Mail- Postfach wäre, sondern eine Computerfestplatte, und wenn der Adressat nicht der einfache Postangestellte aus Hückelhoven wäre, sondern die Frankfurter Börse? Der Londoner Flughafen? Ein Atomkraftwerk? Die Bedrohung durch den Cyberkrieg wird in der Bevölkerung nach wie vor unterschätzt. fb

Vollständigen Artikel lesen

Quelle: Matrix3000 Band 75

Matrix3000 Band 75 als E-Paper-Download