11/25/2010 06:49

Öko-Mythen Teil 7: Tempo 30 – der Umwelt zuliebe?

Category: Ökologie

Der nächste Mythos ist es, durch strengere Geschwindigkeitsbeschränkungen in Großstädten die Abgasemission zu drosseln und damit die Umwelt zu schonen. Der Berliner Senat hat bereits ein generelles Tempo-30-Limit in der gesamten Stadt angedacht und Gott sei Dank wieder in der Schublade verschwinden lassen, denn hier haben wir den nächsten Mythos.

Franz Bludorf ist testweise kreuz und quer durch die Hauptstadt gefahren und hat auf dem Bordcomputer seines Wagens in unterschiedlichen Fahrsituationen den momentanen Benzinverbrauch beobachtet. Der langfristige Durchschnittsverbrauch des Wagens im Stadtverkehr liegt bei ca. 10 Litern Super. Doch das müsste gar nicht sein!

  • Bezirk Steglitz, Schildhornstraße: Der vierspurige Autobahnzubringer ist seit etwa zwei Jahren komplett Tempo-30-Zone, ohne dass es dafür eine verkehrstechnische Notwendigkeit gäbe. Eine festinstallierte Radarfalle schnappt unerbittlich jeden, der die 30 nicht einhält. Beobachtung: Ein normaler moderner Mittelklassewagen ist nicht auf ein dauerhaftes Tempo 30 ausgelegt. Im dritten Gang fährt er zu untertourig, der Motor stottert. Im zweiten Gang kommt er auf über 2000 Touren, der Momentanverbrauch steigt auf etwa 15 Liter.
  • Ortsteil Marienfelde, Nahmitzer Damm: Freie Fahrt, so weit das Auge reicht, und Ampeln, die auf Dauergrün zu stehen scheinen. Bei glatt Tempo 50 im vierten Gang surft der Wagen entspannt dahin und mutiert dabei zum 3-Liter-Auto!
  • Bezirk Wilmersdorf, Bundesallee: Hier merkt man, dass grüne Wellen in Berlin zur Seltenheit wurden, auch auf Hauptverkehrsstraßen. Den höchsten Benzinverbrauch hat der Wagen im Leerlauf an der Ampel – rund 20 Liter! Dann Anfahren, Beschleunigen, früh schalten – Verbrauch zwischen 10 und 15 Liter. Bis Tempo 50 erreicht und der vierte Gang eingelegt ist, muss man abbremsen, denn die Ampel an der nächsten Kreuzung hat pünktlich auf Rot geschaltet.
  • Bezirk Mitte, Alexanderplatz: Ewige Baustelle seit 20 Jahren, Stop-And-Go-Verkehr, bis man den Platz geschafft hat. In der Zwischenzeit ständiger Wechsel zwischen Leerlauf, langsamem Rollen und Anhalten. Der Motor säuft sich dabei dick und rund, Verbrauch zwischen 15 und 20 Liter.

Fazit: Mit den meisten modernen Wagen könnte man geschätzte 50 % der Benzinkosten und Abgasemissionen einsparen, wenn man die Menschen nur mit der erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h fahren ließe. Jedes Abbremsen des Verkehrsflusses durch Tempolimits und gezielt ungünstig geschaltete Ampelphasen kostet Sprit ohne Ende – und schadet damit Umwelt und Geldbeutel!  

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Natur-Umwelt-Mensch 2010