11/25/2010 08:19

Warum Selbstversorgung?

Category: Ökologie
By: Ulrich Heerd

Die Aspekte, warum sich immer mehr Menschen wieder hinbewegen zu einer punktuellen Selbstversorgung, sind vielfältig. Gesunde Ernährung, kurze Transportwege, eine Verbindung schaffen zu dem, was man isst, oder einfach nur Freude, dass man für sein Essen arbeitet, ohne den Umweg über das Mittel bezahlter Fremdarbeit, um dann mittels Kreditkarte einkaufen zu gehen. Denken Sie an die sogenannten Bäckerbrezen aus der Supermarktbäckerei, zu der Sie mit dem Auto fahren müssen, weil es den Tante-Emma-Laden eigenartigerweise gerade bei Ihnen nicht mehr gibt. In der Supermarktbäckerei wurde der Teig u.U. in China hergestellt und vorgeformt, um ihn dann nach Europa zu transportieren, damit er dort verteilt wird auf die einzelnen Länder, damit er dort verteilt wird auf die Großbäckereien und von dort verteilt wird auf die Aufwärmstuben, die sie irritierenderweise „Bäckereien“ nennen. Dort wird in der Mikrowelle aufgebacken, und fertig sind die ofenwarmen „frischen“ Brezen. Sie bekommen sie noch warm in die Tüte gesteckt – in eine Tüte, deren Papier aus Bäumen hergestellt wird, die plantagengleich gezüchtet werden, damit man sie …

Also es gibt viele Gründe, vielleicht auch finanzielle, vielleicht auch einfach nur, dass immer mehr Menschen die Zeichen der Zeit erkennen und sich vorbereiten wollen auf eine Zeit, in der sie mit Geld nichts mehr kaufen können.

Selbstversorgung muss sich nicht nur auf das Heranziehen gesunder Lebensmittel beziehen. Selbstversorgung kann auch das Erwirtschaften von Wolle oder Strom bedeuten. Es kann bedeuten, dass man sich von Stromlieferanten unabhängig macht, beginnend bei einem Generator oder einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder durch das Verwenden von Solarkochgeschirr. Selbstversorgung ist ein Schritt in Richtung Autarkie, in eine persönliche Freiheit. Sie bedeutet eine stetig wachsende Unabhängigkeit von multinationalen Firmen, von Staaten, und nicht zuletzt entwindet man sich ein Stückweit dem Griff derer, die die totale Abhängigkeit und Kontrolle wollen. Selbstversorgung kann beginnen mit einer modernen Trocken- oder Torftoilette, mit einem eigenen kleinen Teich, mit einer Quelle, mit Wasserzisternen zum Aufsammeln von Regenwasser, benutzbar nach Filterung für Menschen und Pflanzen. Eine Biokläranlage auf dem eigenen Grundstück kann genauso gut dazu zählen.

Ferner gehört zur Selbstversorgung, sich Wissen anzueignen: Welche heimischen Pflanzen sind essbar? Welche haben heilende Wirkungen? Letzteres gewinnt alleine schon dadurch an Bedeutung, weil immer mehr industriell hergestellte Naturheilmittel verboten werden.

Es gibt tausend Gründe für Selbstversorgung und nur wenige Gründe, die dagegen sprechen.

Der Hauptgrund ist Bequemlichkeit, das vorgeschobene Argument „mangelnde Zeit“. Man belügt sich mit diesem Argument allerdings nur selber. Wir alle haben die gleiche Anzahl der Stunden Zeit pro Tag, und das sind, wenn man die Nacht mitzählt, 24 Stunden. Und wenn Sie eine Stunde früher aufstehen, sogar 25 Stunden. Wenn Sie nun sagen, Sie haben keine Zeit, heißt das nur, dass Sie der Frage nach Selbstversorgung keine Zeit einräumen, weil Sie andere Dinge höher bewerten. Es mag sein, dass diese Dinge wichtiger sind, das kann ja keiner außer Ihnen entscheiden. Wenn Sie also sagen, Sie haben die Zeit nicht, so heißt es nur, dass Selbstversorgung für Sie keine Priorität hat.

Aber glauben Sie mir – jede Minute die sie da hinein investieren, ist eine Investition in sich selbst, in Ihre Freiheit, Ihre Naturverbundenheit, Ihre Bodenständigkeit, Ihre Hinwendung zu etwas Realem, in Ihre Unabhängigkeit und Ihre Gesundheit, und schlussendlich investieren Sie in Momente der Freude.

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Natur-Umwelt-Mensch 2010