01/25/2007 09:12

„High“ durch Hustensaft

Category: Gesundheit

Immer mehr Teenager umgehen den schwierigen und teuren Zugang zu illegalen Drogen und berauschen sich statt dessen – mit ganz gewöhnlichem Hustensaft! In den USA geht die Anzahl der Hustensaft-Junkies bereits in die Millionen, so die Aussage von Suchtforschern, Tendenz steigend. Spitzenreiter bei den rezeptfreien „Trips“ aus der Apotheke ist das in den USA weit verbreitete Medikament Robitussin. Die neue Form des Drogenkonsums wird daher auch als „Robotripping“ bezeichnet. In Kalifornien ist Robitussin inzwischen die am zweithäufigsten konsumierte Droge. Der Konsum hat sich seit 1999 fast verzehnfacht und die bislang beliebten Designer-Drogen wie Ecstasy und LSD weit hinter sich gelassen. Auch Heroin begann übrigens seine „Drogen-Karriere“ als legales Medikament (wir berichteten darüber in Matrix3000 Band 36, d. Red.).

In den letzten sechs Jahren hatte das California Poison Control Center rund 1400 Notfälle zu bearbeiten, in denen es durch Genuss von Hustensaft und ähnlichen frei verkäuflichen Erkältungsmedikamenten zu lebensbedrohlichen Zuständen gekommen war.

Ursache der berauschenden Wirkung ist der Inhaltsstoff Dextromethorphan, von Jugendlichen kurz „DXM“ oder „DEX“ genannt. Er ist Substanzen wie Codein oder Morphin verwandt, jedoch nach wie vor in zahlreichen rezeptfreien Erkältungspräparaten enthalten. In höherer Dosierung kann Dextromethorphan zu Halluzinationen führen, die ersten Symptome sind jedoch oft Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Schwindel und Verwirrtheit.

Im Internet kursieren bereits „Rausch-Rechner“, mit deren Hilfe Teenager durch Angabe ihres Körpergewichts und des verwendeten Medikaments berechnen lassen können, wie viel von der Substanz sie einnehmen müssen, um einen bestimmten Bewusstseinszustand zu erreichen. Nicht nur das Dextromethorphan selbst kann bei zu hoher Dosierung zu schweren Gesundheitsschäden führen, sondern auch die Tatsache, dass viele der Medikamente weitere therapeutisch wirksame Substanzen enthalten, die dann ebenfalls überdosiert eingenommen werden, z. B. die schmerzstillende Substanz Paracetamol. Eine zu hohe Paracetamol-Dosierung kann zu schweren Leberschäden oder sogar zu Leberversagen führen.

Weiterhin kann es infolge der Einnahme größerer Mengen von derartigen Hustensäften zu Anfällen und zu stark erhöhter Körpertemperatur kommen. Der gleichzeitige Genuß von Alkohol kann die Wirkung noch verstärken.

Da Dextromethorphan in Hunderten frei verkäuflicher Produkte enthalten ist, waren Versuche, den Verkauf zu verbieten, in den USA bislang erfolglos. Einige Apotheken haben auf freiwilliger Basis beschlossen, den Verkauf an Minderjährige einzuschränken.

Auch in Deutschland sind Dextromethorphanhaltige Medikamente im freien Handel, darunter Hustenstiller ratiopharm®, Neo Tussan® und Wick Formel 44 Hustenstiller®. Die Schweizer Vergiftungszentrale und die Apothekerkammer Schleswig-Holstein warnen eindringlich vor dem Mißbrauch solcher Substanzen.

Quelle: t-online / Pharmazeutische Zeitung online

Zitiert aus Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2007 (Dieses Heft ist nicht mehr lieferbar)