01/25/2007 09:23

Neue Essstörung – „Orthorexia nervosa“

Category: Gesundheit

Schon vielfach wurde über magersüchtige Models berichtet, die an Anorexia nervosa, einer krankhaften Form der Schlankheitssucht, leiden. Dass es jedoch noch eine ganz anders gelagerte Essstörung gibt, wurde bislang kaum bekannt – die Orthorexia nervosa.

Dabei handelt es sich um ein krankhaft übersteigertes Bedürfnis nach gesundem Essen. So wurde zum Beispiel in den USA der Fall der Kate Finn bekannt, die gestorben war, nachdem sie sich über längere Zeit einseitig von Rohkost ernährt und zahllose unkontrollierte Fastenkuren durchgeführt hatte, weil sie geglaubt hatte, so ihren Körper zu reinigen. Nach Auskunft ihres behandelnden Arztes hatte bei der Frau weder eine Anorexia nervosa noch die bekannte Ess-Brechsucht (Bulimie) vorgelegen. „Kate Finn wollte nicht schlanker sein. Sie hatte keine Angst, dick zu werden. Sie wollte sich nur gesund ernähren.“, so Dr. Steven Bratman.

Dr. Bratman weiß es durchaus zu schätzen, wenn Menschen sich bewusster ernähren wollen und gesunde Lebensmittel bevorzugen. Bei manchen aber, so die Beobachtung des Arztes in seiner Praxis, wird dieses Bedürfnis zur Besessenheit. Warnsymptome liegen nach seiner Erfahrung vor, wenn ein Mensch mehr als drei Stunden pro Tag über das Essen nachdenkt oder den ernährungsphysiologischen Wert über die Freude am Essen stellt. Im Extremfall nehmen solche Menschen nur noch Gemüse zu sich, das bei Vollmond geerntet wurde, oder trinken selbst Mineralwasser erst dann, nachdem es tagelang offen gestanden hat.

Fachleute vermuten eine hohe Dunkelziffer, da die meisten Betroffenen sich subjektiv über lange Zeit gar nicht schlecht fühlen. Krankhaft wird das Verhalten spätestens dann, wenn die Lebensqualität sich deutlich verschlechtert oder die Menschen zu missionarischen Eiferern werden.

Quelle: Stuttgarter Zeitung

Zitiert aus Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2007 (Dieses Heft ist nicht mehr lieferbar)