03/27/2008 12:12

Gibt es einen dritten Zustand der Existenz?

Category: Gesundheit

Pam Reynolds und Ward Krenz wurden von „Erweckungsforschern“ vom klinischen Tod ins Leben zurückgeholt (Fotos: National Geographic Channel)

Früher erschien alles ganz einfach. Entweder ein Mensch lebte, oder er war tot. Der Zustand des klinischen Todes war auch klar definiert: Entweder durch ein irreversibles Aussetzen des Herzschlages oder durch das Gehirn, das keine Aktivitäten mehr zeigte.

Inzwischen hat sich an dieser Sichtweise einiges geändert. Fortschritte bei der Reanimationsmedizin sowie Berichte von Menschen, die einen Zustand des klinischen Todes überlebten, brachten einige US-Wissenschaftler heute zu dem Schluss, dass es neben Leben und Tod noch einen dritten Zustand gibt. Eine Art Schwebezustand zwischen Leben und Tod, in dem kein Herzschlag und keine Gehirnaktivitäten mehr vorhanden, die meisten Körperzellen jedoch noch am Leben sind. Das neue Forschungsgebiet nennt sich Resuscitation Science („Erweckungswissenschaft“).

Bisher standen beim Eintreten des klinischen Todes Sofortmaßnahmen wie die kardiopulmonale Reanimation (CPR), Defibrillation und, falls nötig, Erwärmung im Vordergrund. Doch bei vielen Reanimierten verursachten die Elektroschocks des Defibrillators schwere Gehirnschäden. Daher bemüht man sich heute darum, Reanimationen individueller durchzuführen. Demonstriert wurde dies u. a. am Fall von Ward Krenz, der nach einem Unfall mit einem Schneemobil etwa eine Stunde im eiskalten Wasser eines Sees gelegen hatte, bevor sein Körper geborgen werden konnte. Er war blau gefroren und sah schon wie eine typische Wasserleiche aus. Sein EEG war auf Nulllinie. Nach allen medizinischen Erkenntnissen hätte er höchstens noch eine Existenz auf vegetativem Niveau führen können. Der Gehirntod hätte nach einer Stunde irreversibel sein müssen.

Allerdings hatte sein Körper im eiskalten Wasser instinktiv reagiert. Die Kapillargefäße hatten sich reflexartig verengt, das Blut war in lebenswichtige Organe und weg von der Hautoberfläche geströmt. Die Unterkühlung des Körpers hatte auch seine Lebensuhr verlangsamt. Ein zu schnelles Erwärmen oder eine herkömmliche Defibrillation hätten ihn getötet. Die Ärzte schlossen ihn statt dessen, so wie er war, an eine Herz-Lungen- Maschine an und konnten etwa zwei Stunden nach dem Unfall seinen Herzschlag wiederherstellen. Erst später wurde seine Körpertemperatur reguliert. Heute ist Ward Krenz wieder völlig gesund.

Im Fall der Musikerin Pam Reynolds wandten die Resuscitation Scientists sogar eine noch dramatischere Methode an: Sie „töteten“ die Patientin, um eine komplizierte Operation an einem Aneurysma im Gehirn durchzuführen, und holten sie anschließend ins Leben zurück. Bei funktionierendem Blutkreislauf hätte das Aneurysma platzen und die Frau augenblicklich töten können. Also kühlte man ihren Körper herunter und brachte ihr Herz durch eine Kaliuminjektion zum Stillstand, wie sie auch bei Hinrichtungen verwendet wird. In diesem Zustand konnte die Frau erfolgreich operiert werden. Auch Pam Reynolds wurde wieder gesund. Sie berichtet heute, während der Operation ein typisches Nahtoderlebnis gehabt zu haben.

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2008