03/26/2009 08:11

Antibiotika bald wirkungslos

Category: Gesundheit

Resistente Staphylokokken in einer Petrischale (Bild: dpa)

Vor kurzem ereignete sich in Brasilien ein erschütternder Fall. Mariana Bridi da Costa, ein brasilianisches Top-Fotomodell, erkrankte im Dezember 2008 an einer Harnwegsinfektion und erhielt von ihren Ärzten routinemäßig Antibiotika. Doch die Medikamente wirkten nicht. Die Erreger (Pseudomonas aeruginosa) breiteten sich sprunghaft im Blut und im ganzen Körper aus, nisteten sich in Händen und Füßen ein. Selbst Notamputationen halfen nicht mehr – am 24. Januar 2009 starb die junge Frau.

In medizinischen Fachkreisen weiß man seit langem, dass dies kein Einzelfall ist. Allein 2005 sollen sich der „Technology Review“ zufolge europaweit drei Millionen Menschen mit Erregern infiziert haben, gegen die kein bekanntes Antibiotikum mehr wirkt. 50.000 sollen daran gestorben sein. Uwe Frank, klinischer Mikrobiologe an der Universität Freiburg, schätzt, dass mehr Menschen an Infektionen mit resistenten Bakterien sterben als beispielsweise an AIDS.

Seit fast 80 Jahren glaubte die Medizin, den Kampf gegen zahlreiche gefürchtete Infektionskrankheiten durch die Entwicklung von Antibiotika gewonnen zu haben. Die Breite der Produktpalette täuscht jedoch. Obwohl es mittlerweile 3230 Präparate auf dem Markt gibt, existieren in Wahrheit nur einige Dutzend tatsächlich unterschiedliche Wirkstoffe. Da es jedoch bei jeder Antibiotikatherapie immer einige Keime gibt, die den Medikamenteneinsatz überleben, haben sich durch die jahrzehntelange Verwendung dieser Wirkstoffe mittlerweile resistente Bakterienstämme entwickelt, die auf die bekannten Antibiotika nicht mehr ansprechen. Gegen solche multiresistenten Bakterien kennt die Medizin kein probates Abwehrmittel.

Gleichzeitig ist das Immunsystem der meisten Menschen geschwächt und auch untrainiert, da bei vielen Menschen auch im Falle leichterer Erkrankungen sehr frühzeitig Antibiotika eingesetzt werden, so dass das Immunsystem nicht gelernt hat, mit Infektionen selbst fertigzuwerden. Später ist der Mensch dann einer Infektion durch antibiotikaresistente Erreger hilflos ausgeliefert. Die Evolution ist erfinderisch. Es haben sich mittlerweile sogar bereits Bakterien entwickelt, die ihrerseits die bekannten Antibiotika angreifen und unschädlich machen, bevor sie ihre Wirkung im Körper entfalten können. Andere Mikroorganismen haben Wege gefunden, um die Medikamente ganz einfach wieder aus dem Körper herauszupumpen.

Hauptursache für die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika ist vor allem die zu häufige Verordnung solcher Medikamente, auch z. B. bei banalen Erkältungskrankheiten. Besonders gefährlich ist es, bei einer Antibiotikatherapie die Einnahme der Medikamente zu früh abzusetzen, sobald sich die Beschwerden gebessert haben. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass besonders widerstandsfähige Bakterienstämme im Körper überlebt haben, sich weiter vermehren und schließlich resistent werden. Auch der Verzehr von Fleisch von Tieren, denen Antibiotika verabreicht wurden, kann zur Entwicklung resistenter Erreger beitragen.

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2009