03/26/2009 08:29

Leben ohne Gefühle

Category: Gesundheit

Was für die meisten Menschen selbstverständlich im Leben ist – Empfindungen wie Freude, Trauer, Liebe – ist für manche so exotisch und unverständlich wie eine rote Rose für einen Blinden. Diese Menschen leiden an Alexithymie, zu Deutsch Gefühlsblindheit. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sollen betroffen sein.

Ein Mensch, der an Alexithymie leidet, hat nicht nur Schwierigkeiten, in der Kommunikation mit anderen seine Gefühle auszudrücken. Es ist wesentlich mehr: Er kann auch innerlich diese Gefühle nicht empfinden, und er versteht es nicht, wenn andere Menschen solche Gefühle haben. Warum freut sich jemand über ein Geschenk? Warum weinen Menschen, wenn sie traurig sind? Was bedeutet traurig? Was bedeutet Liebe? Für gefühlsblinde Menschen sind dies Fragen, die sie sich nicht beantworten können. Ihre sonstige Intelligenz ist in der Regel normal. Das Zusammenleben mit solchen Menschen ist problematisch. Es ist für sie besonders wichtig, einen klar geregelten Tagesablauf mit festen Richtlinien zu haben. Ehepartner von Gefühlsblinden verwenden häufig farbige „Ampelkarten“ (rot, gelb, grün), um auf diese Weise dem anderen ihre Gefühle durch visuelle Reize auszudrücken. In der verbalen Kommunikation ist es wichtig, auf gefühlsbetonte Redewendungen zu verzichten, da diese nicht verstanden werden.

Im Management großer Firmen hingegen sind solche Menschen in der Regel sehr beliebt, da sie ihre Aufgaben klar und strukturiert erledigen, ohne dabei auf Gefühle Rücksicht zu nehmen.

Die Ursache der Alexithymie liegt häufig in der frühen Kindheit. Wenn ein Kleinkind von seiner Umwelt zu wenig emotionale Zuwendung erhält, ist es später schwer, wenn nicht unmöglich, die Defizite wieder auszugleichen.

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2009