03/30/2011 22:17

Gesünder durch gemeinsames Essen zu Hause

Category: Gesundheit

In unserer modernen Zeit wurde die klassische Form der Ernährung durch selbst zubereitete Mahlzeiten zunehmend durch industrielle Lebensmittel ersetzt. Noch im Jahre 1900 wurden in den USA nur 2% aller Mahlzeiten außer Haus verzehrt. 2010 waren es 50%. Jedes fünfte Frühstück kommt dort heute von McDonald’s. Die amerikanische Durchschnittsfamilie isst nur drei Mal pro Woche gemeinsam zu Hause. Die gemeinsame Mahlzeit dauert weniger als 20 Minuten und wird vor dem Fernseher verbracht. Dabei verzehrt jedes Familienmitglied ein anderes Gericht aus der Mikrowelle. Es werden in den USA mehr Mahlzeiten in Autos als in der heimischen Küche verzehrt. Kann dies gesund sein?

Natürlich nicht, sagt der Arzt und Buchautor Dr. Mark Hyman. Er zitiert Studien, wonach Kinder, die regelmäßig zu Hause mit ihren Eltern essen, bessere Schulnoten haben, dauerhaftere Beziehungen aufbauen und weniger Schwierigkeiten machen. Sie haben ein signifikant geringeres Risiko, mit dem Konsum von Alkohol, Tabak oder Marihuana anzufangen. Sie haben seltener Übergewicht und erkranken weniger an Bulimie oder Anorexie.

Oft beklagen die Amerikaner, keine Zeit für die Zubereitung des Essens zu haben, doch viele von ihnen verbringen mehr Zeit damit, sich Kochsendungen im Fernsehen anzuschauen, als selbst zu kochen. Die Entfremdung des Menschen von seiner Nahrung war keine zufällige Entwicklung. Unsere Nahrungsmittel entstanden im Verlauf der Erdgeschichte in unserer Umwelt und benötigten weder Preisschilder noch Etiketten mit Angaben über ihre Zusammensetzung, damit wir sie verzehren konnten. Doch eines Tages brachte die Evolution auch eine Nahrungsmittelindustrie hervor, die zu der Überzeugung kam, diese Nahrungsmittel müssten „verbessert“ werden. Auf diese Weise wurden unsere Essgewohnheiten im Laufe der Jahre und Jahrzehnte unmerklich, aber nichtsdestoweniger gezielt verändert. Das Resultat ist, dass wir heute Ernährungsberater und Ärzte brauchen, die uns sagen, was und wie wir essen sollen, wie die Nahrung zubereitet wird und wie man sie zusammen im Familienkreis oder der Gemeinschaft zu sich nimmt. Alles kulturelle Traditionen, die jahrtausendelang integraler Bestandteil der menschlichen Gesellschaft waren. Mark Hyman kommt zu der Schlussfolgerung: Das wichtigste Instrument für die menschliche Gesundheit ist die Gabel. Seiner Ansicht nach kommt es nicht nur darauf an, was man isst, sondern auch wie man es isst – ohne Zeitdruck und Stress und am besten zu Hause im Kreise seiner Familie, ohne dabei fernzusehen oder Handygespräche zu führen.

Damit wird das Essen auch wieder das, was es einmal war: Ein Zeitfenster für zwischenmenschliche Kommunikation und gegenseitige Empathie. Auf diese Weise kann das Essen noch wesentlich mehr zur Gesundheit des Einzelnen beitragen als nur durch seine Inhaltsstoffe.

Quelle: Matrix3000 Sonderheft Gesundheit 2011