08/30/2012 10:23

Ex-VW-Ingenieur entwickelt neuartigen Dieselmotor

Category: Ökologie

Ein neuer Dieselmotor, der OPOC des früheren VW-Entwicklungsingenieurs Hofbauer, spart zwischen 15% und 52% an Treibstoff. Abgaswerte und Ölverbrauch sind nicht höher als beim normalen Diesel. Alles hier, am Rande der US-Autohochburg Detroit, erinnert an einen gewöhnlichen Lkw-Motor, es riecht nach Treibstoff und Ruß. Und dennoch könnte der EM 100 D OPOC ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Automobils aufschlagen. Peter Hofbauers neuer Motor kann außer mit Diesel auch mit Benzin und Gas betrieben werden. Der Österreicher war zehn Jahre lang Chef der VW-Motorenentwicklung. Inzwischen im Ruhestand, ließ ihn die Idee eines neuartigen Motors nicht mehr los. Er tüftelte, gründete mehrere Unternehmen, darunter Ecomotors im Jahr 2008, wo er heute Technikvorstand und Aufsichtsratschef ist.

Nun steht er vor dem Durchbruch mit seinem außergewöhnlich wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Verbrennungsmotor. Der EM 100 D OPOC ist kein üblicher Vier-, sondern ein Zweitaktmotor. Hofbauer hat die Zylinder nicht nebeneinander angeordnet. Bei ihm liegen sie einander gegenüber. Jeweils zwei Kolben bewegen sich darin wie klatschende Hände aufeinander zu und voneinander weg. OPOC hat Hofbauer das Prinzip deshalb genannt, für Opposed Piston, Opposed Cylinder – zu Deutsch: gegenüberliegende Kolben, gegenüberliegende Zylinder. Die Konstruktion macht den Motor um die Hälfte leichter und kleiner sowie um 15 bis 54 Prozent sparsamer als einen traditionellen Viertakter. Das neuartige Aggregat ist auch bei den Herstellungskosten rund ein Fünftel günstiger als herkömmliche Motoren.

Nur drei Jahre nach der Gründung von Ecomotors scheint die Serienreife des Motors in greifbarer Nähe. Einer der weltweit größten Lkw- und Motorenhersteller hat Verträge mit Ecomotors unterzeichnet, in denen er sich bereit erklärt, den OPOC-Dieselmotor zur Serienreife weiterzuentwickeln und ihn in seine mittleren und schweren Lkw einzubauen. Noch schneller als der amerikanische Konzern wollen die Chinesen sein. Bereits 2013 will der Autozulieferer Zhongding mit dem Bau von OPOC-Lkw-Motoren beginnen. Danach soll eine Fertigung für 600 000 Pkw-Motoren pro Jahr in Betrieb gehen. Mit 240 und 480 PS starken Lkw- Motoren des Typs EM 100 D OPOC wird es losgehen, der Pkw-Benzinmotor soll rund 100 PS haben. Zhongding unterzeichnete im Mai Rahmenverträge für die Entwicklung der Motoren. Der Zulieferer plant ein OPOC-Forschungszentrum in Shanghai, wo einige Hundert Techniker den Motor für den Alltagseinsatz fit machen sollen.

Mit neuen Messergebnissen will Ecomotors die Zweifler überzeugen. Die Zahlen können sich sehen lassen, wie aus vertraulichen Unterlagen hervorgeht, die Ecomotors unlängst der GM-Führung überreichte. Auszüge aus dem 45seitigen Dokument: Durchschnittlich 15 Prozent weniger Spritverbrauch konnten die Ecomotors-Ingenieure messen. Weitere Verbesserungen sollen die Ersparnis auf bis zu 25 Prozent steigern – und das mit einem Antrieb, der rund 1000 Euro günstiger in der Herstellung ist als ein herkömmlicher Benziner.

Werden zwei Opoc-Motoren kombiniert und mit einem elektrisch unterstützten Turbolader – ebenfalls eine Erfindung von Hofbauer – versehen, sinkt der Spritverbrauch um 54 Prozent. Euphorisch ist Motorbauer Hofbauer, der sich zu den Verhandlungen nicht äußern will, trotzdem nicht. „Viele werden wir erst überzeugen“, sagt er, „wenn wir mit einem Opocgetriebenen Fahrzeug vorfahren.“ Im kommenden Jahr könne es so weit sein. Dann sei der erste Lkw mit Opoc- Motor einsatzbereit – er wird voraussichtlich in China gebaut.

Quelle: Matrix3000 Band 71