08/30/2012 10:28

Studie: Oberflächliches Denken macht konservativ

Category: Wissen

Eine von US-Psychologen durchgeführte Studie kam zu einem, gelinde gesagt, brisanten Ergebnis. Menschen, die zu oberflächlichem, „anstrengungslosem“ Denken („low-effort thinking“) neigen und sich einfache „Wahrheiten“ zu eigen machen, entwickeln bevorzugt konservative politische Grundhaltungen.

Die Studie bestand aus drei Versuchen. Im ersten wurden Zufallsbesucher einer Bar zum Ausfüllen eines Fragebogens aufgefordert und gleichzeitig ihr Blutalkoholgehalt gemessen. Ergebnis: Je höher der Alkoholspiegel (der bekanntlich die Fähigkeit zum Denken beeinträchtigt), desto öfter entschieden sich die Testpersonen für typisch konservative Stammtischweisheiten (z. B. „Der Staat soll sich nicht einmischen.“) Ein ähnliches Resultat ergab sich, wenn die Testpersonen zwar nüchtern waren, aber neben dem Ausfüllen des Fragebogens noch zu anderen parallelen Tätigkeiten angehalten wurden. Unter diesen Bedingungen stieg die Anzahl typisch konservativer Antworten an, je mehr sich die Personen unter Druck gesetzt fühlten und daher nicht in der Lage waren, eingehender über die Fragestellungen nachzudenken. Setzte man sie in einem dritten Versuch statt dessen unter Zeitdruck, was das Ergebnis wiederum analog. Insbesondere „schnelle Bauchentscheidungen“ begünstigen demzufolge konservative Grundhaltungen, die sich z. B. oft in Erzeugung von Ängsten und passenden Schuldzuweisungen erschöpfen und dafür Aspekte wie gesellschaftliche Verantwortung, solidarisches Denken etc. in den Hintergrund treten lassen. Die Psychologen resümieren, nach ihrer Studie existiere eine einzigartige Verbindung zwischen „ideologischen Inhalten des politischen Konservatismus“ und dem anstrengungslosen, wenig tiefschürfenden Denken. Sie betonen auch, dies bedeute nicht etwa, dass jeder Konservative notwendigerweise oberflächlich denken würde. Es würden allerdings konservative Grundhaltungen durch das anstrengungslose Denken verstärkt. Möglicherweise sei der Hang zum Konservatismus im Menschen tiefer verankert, evtl. sogar ein genetisches Erbe aus dem Überlebenskampf früherer Zeiten, so dass sich insbesondere unter Bedingungen von Unsicherheit und Bedrohung konservative Meinungen unreflektiert und fast reflexartig manifestieren können.

Quelle: Matrix3000 Band 71