08/30/2012 10:56

Schleichendes Alltagsgift Bisphenol A

Category: Gesundheit

Der Stoff Bisphenol A liefert ein schlimmes Beispiel schädlicher Nebenwirkungen unserer modernen Chemie. Gerade wurde er in Babyflaschen verboten, als der BUND ihn – neben anderen Chemikalien – im Staub von Kindergärten aufspürte. Greenpeace fand ihn in sieben von acht Kassenzetteln. Beunruhigend, denn der Stoff steht im Verdacht, an den unterschiedlichsten Krankheiten beteiligt zu sein.

Die Chemikalie Bisphenol A (BPA) wird hauptsächlich bei der Herstellung von Kunststoffen sowie von Lacken, Beschichtungen und Klebern verwendet und zählt heute weltweit zu den am häufigsten eingesetzten Industriechemikalien. Der BAYER-Konzern gehört mit zu den größten Herstellern. Allein in Europa werden jährlich über eine Million Tonnen Bisphenol A in der Industrie verbraucht. BPA belastet massiv unsere Umwelt, und man geht davon aus, dass heute beinahe jeder Mensch von klein auf mit BPA belastet ist.

BPA befindet sich in den meisten Lebensmittelverpackungen, in Plastikflaschen, Plastikbehältern, auf Kassenbons und in Kinderspielzeug sowie in vielerlei anderen Alltagsgegenständen. Der Einsatz von BPA in Babytrinkflaschen und Schnullern wurde 2003 verboten (achten Sie beim Kauf auf „BPA-free“-Aufkleber!) Durch eine Studie (JAMA 2011; 306: 2218-2220) in den USA wurde jetzt festgestellt, dass Bisphenol A in erheblichen Mengen auch auf Dichtungsfolien von Konserven enthalten ist. Bereits in geringen Mengen ist BPA giftig. Seit längerem steht es in Verdacht, in den Hormonhaushalt des Menschen einzugreifen und so möglicherweise bereits in kleinsten Dosen beträchtlichen Schaden anzurichten. BPA steht in Verbindung mit Entwicklungsbeeinträchtigungen der Organe – insbesondere des Gehirns - bei Kindern, mit Verhaltensauffälligkeiten (AD(H)S), Dysfunktionen der Fortpflanzungsorgane, erhöhtem Risiko von Brust- und Prostatakrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Ebenso drohen Schädigungen des Erbguts und negative Folgen auf den Schwangerschaftsverlauf.

Wissenschaftler zeigen sich immer wieder besorgt über ein nicht ausreichendes Risikomanagement einer potentiell so gefährlichen Substanz. Die Europäische Union, die „sichere“ Höchstwerte für Chemikalien festlegt, bezieht sich in ihrer Risikoanalyse für Bisphenol A auf Studien, die BPA als harmlos darstellen. Die besagten Studien sind – wie für Risikobewertungen vieler Chemikalien und Pestizide üblich – von der Industrie finanziert und wurden von der überragenden Mehrheit unabhängiger Studien widerlegt. Das deutsche Umweltbundesamt kam gar zu dem Schluss, dass der derzeit EU-weit geltende sichere Höchstwert von BPA bis um das 2000-fache zu hoch liegt. Anstatt etwas gegen diese Chemikalie zu unternehmen, werden in der EU die Grenzwerte nach oben hin angepasst. In Kanada dagegen ist BPA bereits verboten.

Quelle: Matrix3000 Band 71