09/27/2007 06:21

Die Bilderberger, der Vatikan und die deutsche Geschichte

Category: Politik
By: Franz Bludorf

Papst Johannes Paul II. vor dem Brandenburger Tor, zusammen mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Berlins Regierendem Bürgermeister Eberhard Diepgen.

“The world is governed by far different personages from what is imagined by those who are not behind the scenes.”

Benjamin Disraeli

Der Verlauf der deutschen Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg lässt sich durch wenige wichtige Marksteine zusammenfassen: Westbindung der Bundesrepublik, NATO- und EU-Beitritt, „Wandel durch Annäherung“ durch die Entspannungspolitik der Regierung Brandt, der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Wiedervereinigung und schließlich die Abschaffung der DM zugunsten des Euro. Doch wie viel davon wurde wirklich durch deutsche Regierungen initiiert? Oder vom Weißen Haus in Washington, vom Kreml in Moskau? Ein etwas gründlicherer Blick auf die historischen Ereignisse zeigt: Hauptgestalter der jüngeren deutschen Geschichte war eine Gruppe, deren Existenz den meisten Menschen kaum bekannt ist – die Bilderberger!

Ende gut, alles gut! Mit strahlender Miene trat Pjotr Abrassimow, seinerzeit sowjetischer Botschafter in der DDR, im alliierten Kontrollratsgebäude in Berlin vor die wartenden Journalisten. Er hatte tatsächlich eine positive Nachricht zu verkünden. Die Vertreter der vier Siegermächte des zweiten Weltkrieges hatten sich nach monatelangen Verhandlungen endlich auf einen Text für das Abkommen über den Status Berlins geeinigt. Am 3. September 1971 wurde der Vertrag unterzeichnet. Die Verhandlungen waren zäh und schwierig gewesen. Immerhin konnte man sich nicht einmal darauf verständigen, über welches Gebiet man eigentlich verhandelte. Die Westalliierten beharrten auf dem Viermächtestatus von ganz Berlin, während die Sowjets Ost-Berlin als „souveräne Hauptstadt der DDR“ ausklammern wollten. Schlussendlich war im Haupttext des Abkommens paradoxerweise von „Berlin“ überhaupt nicht mehr die Rede, sondern nur noch vom „betreffenden Gebiet“. Das Berlin-Abkommen ist von besonderer historischer Bedeutung durch das „Berlin-Junktim“ des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, der die Ratifizierung der Entspannungsverträge mit der Sowjetunion und Polen vom Zustandekommen des Vertrages abhängig gemacht hatte. Ohne Brandts Entspannungspolitik jedoch wäre auch der spätere Wandel im Ostblock kaum denkbar gewesen.

Rückblickend betrachtet erscheint es kaum noch nachvollziehbar, um welch scheinbar belanglose Formulierungen die vier Botschafter so zäh ringen mussten. Dabei mussten sie es gar nicht.

Mehr als zwanzig Jahre später sagte Henry Kissinger während einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung in Berlin nämlich, wie es sich wirklich zugetragen hatte. „Die vier Botschafter brauchten über das Berlin-Abkommen nicht zu verhandeln, sie brauchten nur den Text abzuzeichnen, den die Bilderberger ausgehandelt hatten.“ Kissinger aber ist einer, der es wissen muss. 1971 war er Sicherheitsberater des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon, und zum regelmäßigen Teilnehmerkreis der Bilderberg-Konferenzen gehört er ohnehin seit Jahrzehnten. Die Botschaftertreffen im Kontrollratsgebäude am Berliner Kleistpark (über eineinhalb Jahre!), die Pressekonferenzen für die wartenden Journalisten, mit denen regelmäßig unsere Nachrichtensendungen gefüttert wurden – alles nur Theater für diejenigen, die, wie Disraeli es ausdrückte, nicht „hinter den Kulissen“ sind – also im Grunde für fast alle von uns! 

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Quelle: Matrix3000 Sonderheft Politik und Macht 2007

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