04/24/2014 15:03

Gefahr für die Erde durch seltsame Materie?

Category: Wissen

Brookhaven National Laboratory, New York

Die amerikanischen Juristen Eric Johnson und Michael Baram forderten eine neue Überprüfung der Betriebsgenehmigung für den großen Teilchenbeschleuniger (Relativistic Heavy Ion Collider) am Brookhaven National Laboratory auf Long Island bei New York. Grund: An diesem Forschungszentrum werden Experimente durchgeführt, die für den Fortbestand der Erde nach Ansicht der Juristen gefährlich sein könnten. Sind das nur Ängste von nicht ausreichend kompetenten Leuten? Möglicherweise nicht. Es geht den Juristen nämlich nicht um die bekannten Vermutungen, bei derartigen Teilchenbeschleunigerexperimenten könnten schwarze Löcher entstehen - Befürchtungen, die zumeist unbegründet sind. Im Beschleunigerring des Brookhaven National Laboratory werden seit Jahren schwere Goldatome fast mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen. Dabei werden die Atomkerne in ihre Bestandteile zerlegt - es entsteht ein Plasma aus Quarks und Gluonen, und die Wissenschaftler erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie. Allerdings kann bei derartigen Zerfallsprozessen auch sogenannte seltsame Materie entstehen. Es ist seit langem bekannt, dass es in der Teilchenfamilie der Quarks, also der Bausteine der Atomkerne, auch sogenannte Strange Quarks gibt, die man auch seltsame Materie nennt. Sie heißt deshalb "strange" (seltsam), weil sie einige äußerst seltsame Eigenschaften hat. Normalerweise sind Strange Quarks instabil und zerfallen in kürzester Zeit wieder. Während ihrer Lebensdauer haben sie jedoch die seltsame Eigenschaft, normale Materie zu absorbieren, d. h. ebenfalls in seltsame Materie zu verwandeln. Dadurch kann ein Kettenreaktionsprozess in Gang gesetzt werden, denn je mehr seltsame Materie sich ansammelt, desto stabiler wird sie. Wissenschaftler schätzen, dass ab einer Menge von etwa 1000 Protonenmassen seltsame Materie dauerhaft stabil werden könnte. Diese würde dann ihren Absorptions- und Verwandlungsprozess normaler Materie dauerhaft fortsetzen, und dieser Vorgang wäre dann vom Menschen nicht mehr kontrollierbar. Experten ist diese Gefahr bekannt, und sie spielte auch z. B. bei der Risikobeurteilung des Large Hadron Collider in Genf eine Rolle. Kein Mensch kann absehen, was aus unserer Welt würde, wenn sich unsere bekannte Materie in seltsame Materie verwandeln würde. Mit Sicherheit wäre es nicht mehr die Welt, wie wir sie kennen.

Umstritten ist lediglich die Wahrscheinlichkeit einer solchen Gefahr. Während Forscher dazu neigen, Gefahren anhand bislang durchgeführter Experimente herunterzuspielen, geben die beiden Juristen zu bedenken, dass längst neue Experimente erdacht und durchgeführt wurden, deren Konsequenzen bei den ursprünglichen Risikobeurteilungen nicht berücksichtigt wurden. "Jede zusätzliche Kollision gleicht dem Wurf eines Würfels.", kritisieren Johnson und Baram. Physikalische Grundlagenforschung ist nun einmal ein Schritt ins Unbekannte. Laut sumerischer Mythologie waren die Anunnaki, die vom Himmel gekommenen Götter, zur Erde gekommen, um dort nach Gold zu suchen. Angeblich brauchten sie es, um Goldstaub in der Atmosphäre ihres Heimatplaneten freizusetzen. Hatten sie eine Technologie, die mit "seltsamen Chemtrails" arbeitete?