06/28/2012 07:32

Olympia 2012

Category: Gesellschaft
By: Roland Rottenfußer

Gold für den Profit, Silber für den Polizeistaat.

Olympische Spiele – das bedeutet: Mehrere Städte der Welt bewerben sich um die Ehre, vom Olympischen Komitee gedemütigt zu werden. Das IOC fällt in betroffene Regionen wie eine Besatzungsmacht ein, die Behörden müssen vertraglich Fügsamkeit zusichern. Die heimische Wirtschaft bleibt außen vor, den Reibach machen internationale Markenfirmen. Olympische Spiele sind insofern verdichtete Zonen des globalen Kapitalismus, während nach außen der Nationalstolz der Völker genährt wird. Wie sich in London jetzt schon abzeichnet, werden die Spiele außerdem als Erprobungsphasen verschärfter Obrigkeits- und Überwachungsstaatlichkeit genutzt.

Kaum etwas hat stärker zum Mythos der griechischen Nation beigetragen als Olympia. Und kaum etwas hat größeren Anteil an der derzeitigen Existenzkrise des olympischen „Mutterlands“. Wie so oft, warben die Befürworter der Spiele von 2004 in Athen mit einer Belebung der Wirtschaft und einem Prestigegewinn für das ganze Land. Das Ergebnis acht Jahre danach ist bitter: Kein Wirtschaftswachstum, dafür 12 Milliarden Euro Schulden, die sich zu den schon damals erheblichen Staatsschulden dazu addierten. Die „titanischen“ Sportstätten, die für das Event gebaut wurden, gammeln heute ungenutzt vor sich hin. Ihre Wartung kann sich das finanziell am Abgrund taumelnde Land nicht leisten. Es sei „wie Himmel und Hölle“ gewesen, sagte Vassilis Sevastis, Chef des griechischen Leichtathletik-Verbands. Im Klartext: Auf gut zwei Wochen Rausch folgte ein jahrelanger Katzenjammer.

Acht Jahre nach dem Desaster spuckt ein anderer europäischer Stadtvater große Töne: Londons Bürgermeister Boris Johnson verkündete, man werde „die großartigsten Spiele in der großartigsten Stadt der Welt“ veranstalten. Die nationalen Organisatoren versprachen: „Jeder Sektor der Wirtschaft wird von den Olympischen Spielen profitieren“. Kein nationalistischer Gemeinplatz ist den Sportpolitikern zu dümmlich, um ihr bröckelndes Ansehen mit Hilfe der Athleten aufzupolieren. Premier David Cameron machte Olympia 2012 zur Chefsache und verdoppelte das Budget für die prunkvolle Eröffnungszeremonie per Handstreich auf 81 Millionen Pfund. Die ursprünglich geplante „sparsame“ Vorgehensweise ist somit Geschichte. Laut Sky TV sind die Kalkulationen von anfangs 2,4 Milliarden Pfund auf 24 Milliarden angestiegen – das Zehnfache! Allein wegen eines geplatzten Immobiliendeals im Zusammenhang mit dem Bau des olympischen Dorfs zahlte der britische Steuerzahler 275 Millionen Pfund drauf.

Vollständigen Artikel lesen

Quelle: Matrix3000 Band 70

Matrix3000 Band 70 als E-Paper-Download