04/26/2012 13:35

Urzeitliche Pflanze zum Leben erweckt

Category: Wissen

Blüten aus 30.000 Jahre altem Material. Silene stenophylla ist eine Blume aus der Eiszeit

„Jurassic Park“ lässt grüßen. Es gehört seit jeher zu den Träumen der Wissenschaftler, Lebensformen früherer Erdzeitalter mit Hilfe moderner wissenschaftlicher Methoden wieder zum Leben zu erwecken. Forschern der Russischen Akademie der Wissenschaften in Puschtschino ist dies jetzt im Rahmen eines revolutionären Experiments erstmals gelungen. Zwar – noch – nicht mit einem Mammut oder Dinosaurier, aber mit Pflanzen, die vor über 30.000 Jahren in den Weiten Sibiriens wuchsen. Svetlana Yashina, Stanislav Gubin und ihr Team hatten aus dem sibirischen Permafrostboden konservierte Fruchtteile einer eiszeitlichen Blütenpflanze, Silene stenophylla, geborgen. Die noch unreifen Früchte waren so gut erhalten, dass die Forscher im Labor daraus kleine Setzlinge entwickeln und einpflanzen konnten. Es entwickelten sich daraus normale, gesunde Pflanzen, die aber aus einem anderen Erdzeitalter stammen und Jahrzehntausende im gefrorenen Erdboden überdauert hatten. Bei Silene stenophylla handelt es sich um ein Nelkengewächs, das auch heute noch in Sibirien vorkommt. Allerdings zeigte es sich, dass die urzeitliche Version der Pflanze nicht nur anders aussah als heute, sondern auch andere Eigenschaften hatte. So sind die Blütenblätter der prähistorischen Blume breiter als heute und auch stärker gefurcht. Außerdem bildete das Urzeit-Kraut zunächst nur weibliche Blüten, während die Blüten der heutigen Art zweigeschlechtlich sind. Durch künstliche Bestäubung konnten die Wissenschaftler die Eiszeit- Blumen zur Bildung von Samen anregen, aus denen sich anschließend wieder neue Pflanzen entwickelten. Das erfolgreiche Experiment bewies nicht nur, dass es grundsätzlich möglich ist, urzeitliche Lebensformen wieder zum Leben zu erwecken. Es erlaubte auch, erstmals an lebenden Beispielen zu beobachten, wie sich die Arten in Jahrzehntausenden durch Evolution verändert haben. Die russischen Wissenschaftler wiesen auf die immense Bedeutung der Permafrostböden hin, um den Genpool vergangener Zeiten zu rekonstruieren. Rund 20 Prozent der Landoberfläche der Erde sind dauerhaft gefroren. Der nächste Schritt soll es sein, auch aus tiefgefrorenen Überresten urzeitlicher Tierarten neue Lebewesen entstehen zu lassen, seien es Insekten oder auch Großtiere wie das Mammut.

Quelle: Matrix3000 Band 69