02/23/2012 07:31

„Earth Two“ und „geröstete Planeten“

Category: Wissen

Der neuentdeckte Planet Kepler-22b („Earth Two“) im Größenvergleich mit den inneren Planeten unseres Sonnensystems (Grafik: NASA)

Je tiefer das neue US-Superweltraumteleskop „Kepler“ ins All hineinschaut, desto interessantere und bizarrere Welten entdeckt es. So erspähte „Kepler“ zwei etwa erdgroße Planeten, die eine gealterte Sonne umkreisen, die bereits ihre Entwicklungsphase als „Roter Riese“ hinter sich hat. Es ist ein Schicksal, das auch unserer Sonne in einigen Milliarden Jahren bevorsteht. Wenn ein Stern seinen Brennstoff (Wasserstoff) aufgebraucht, d. h. in Helium verwandelt hat, gewinnt die Gravitation die Oberhand, und der Kern des Sterns verdichtet sich. Dadurch steigt die Temperatur stark an, so dass auch in den normalerweise inaktiven Außenbereichen des Sterns Kernfusionsprozesse gezündet werden, in deren Verlauf auch Helium zu noch schwereren Elementen fusioniert. Der Stern als Ganzes bläht sich dadurch auf und wird zum Roten Riesen. Nach Ansicht der Astrophysiker werden, sobald unsere Sonne dieses Stadium erreicht, die innersten Planeten Merkur, Venus und auch unsere Erde von ihr verschlungen.

Um so überraschender nun die Beobachtung des Kepler-Teleskops, dass die zwei neuentdeckten Planeten das Roter-Riese-Stadium ihrer Sonne offenbar überlebt haben. Sie mögen von der sich aufblähenden Sonne „geröstet“ worden sein, doch sie sind weder verdampft noch wurden sie von ihrem Zentralgestirn absorbiert.

Niemand kann bislang erklären, wieso die Entwicklung so verlaufen ist. Es zeigt sich, wie wenig die Wissenschaft noch über die Entwicklungsphasen von Sternen und ihren Planetensystemen weiß. Die neuen Erkenntnisse können auch bedeutende Auswirkungen auf unsere Vorstellung vom Schicksal des Sonnensystems haben. Doch nicht überall im Universum ist es so ungemütlich. Das Kepler-Teleskop ist auch auf einen anderen Planeten gestoßen, den man möglicherweise als „Earth Two“ bezeichnen kann. „Kepler-22b“ umkreist sein sonnenähnliches Zentralgestirn in der bewohnbaren Zone (Biosphäre) und ist der bislang erdähnlichste Planet, der je entdeckt wurde. Er ist nur etwa 2,4 Mal größer als die Erde und daher vermutlich nicht gasförmig, sondern aus festem Gestein. Auf seiner Oberfläche herrscht geradezu „Komfortwetter“ bei Temperaturen von ca. 22° C. Sollte auf ihm Wasser existieren, was man noch nicht weiß, so wäre es flüssig. „Diese Entdeckung stützt die wachsende Überzeugung, dass wir in einem Universum leben, in dem es vor Leben wimmelt.“, so die Aussage eines Mitglieds des Forscherteams, Alan Boss vom Carnegie-Institut.

Quelle: Matrix3000 Band 68