10/27/2011 11:15

Deutscher Vulkan meldet sich

Category: Wissen

Das Vogtland – eine ruhige und idyllische Mittelgebirgslandschaft im Herzen Deutschlands, die zum Wandern und Erholen einlädt. Doch es ist nur die Ruhe vor dem Sturm – unter der Erde brodeln im Vogtland gewaltige Magmablasen.

Obwohl das Vogtland im Grenzgebiet zwischen Bayern, Sachsen und Tschechien eigentlich nicht zu den erdbebengefährdeten Zonen Deutschlands gehört, bebt dort immer wieder die Erde, zuletzt gerade erst im August 2011. Wie Wissenschaftler jetzt herausfanden, ist die Ursache dieser seismischen Aktivitäten keine Bruchlinie zwischen Kontinentaloder kleineren Platten der Erdkruste, sondern ein gewaltiger unterirdischer Vulkan, der sich anschickt, wieder aktiv zu werden.

Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) haben mit Hilfe von Schallwellen den Untergrund im Vogtland „durchleuchtet“. Sie trafen in 30 bis 60 Kilometern Tiefe auf heißes Gestein, das sich beim Aufstieg zur Erdoberfläche verflüssigen würde. Es käme dann zum Ausbruch großer Lavamassen. Fachleute sprechen im Fall des Vogtlandes von einer „magmatischen Unterplattung“. Nach heutigem Erkenntnisstand war der unterirdische Vulkan letztmals vor etwa 300.000 Jahren aktiv. Doch die Wissenschaftler sind sich einig, dass er nicht für immer erloschen ist. In naher oder ferner Zukunft sind neue Vulkanausbrüche im Vogtland wahrscheinlich, und die neue Aktivitätsphase des Vulkans hat bereits begonnen! Derzeit steigen hier solche Mengen des Vulkangases Helium- 3 aus der Tiefe auf, wie man es sonst nur vom Ätna auf Sizilien her kennt, einem der aktivsten Vulkane der Welt. Der Anteil von Helium-3 im Vergleich zum normalen Helium-4 hat in den letzten Jahren im Vogtland um rund 20 Prozent zugenommen. Helium-3 kann aber nur in großer Tiefe im Erdinnern entstehen. Dass auch Deutschland zu den prinzipiell von Vulkanismus bedrohten Regionen gehört, ist bislang in der Bevölkerung und sogar bei Experten für Katastrophenschutz nur wenig bekannt. Die meisten deutschen Vulkane befinden sich in der Eifel. Auch einige von ihnen scheinen derzeit langsam wieder aktiv zu werden.

Mehr über Vulkane in Fosar/Bludorf: „Welt am Limit“, Peiting 2011.

Quelle: Matrix3000 Band 66