10/25/2012 13:18

Partytime für Babywatcher

Category: Gesellschaft

Wayne Rooney ist nicht nur einer der besten und höchstbezahlten Fußballstars Englands. In naher Zukunft werden er und seine Frau Coleen stolze Eltern sein. Und in seinen und ähnlich glamourösen Kreisen ist es neuerdings hip, während der Zeit der Schwangerschaft der Mutter sogenannte Fötus-Partys mit seinen Freunden zu feiern. Hierzu kann man ein geeignetes Studio mieten, z. B. bei der Firma Babyscan, in dem ein Ultraschallgerät steht. Die werdende Mutter nimmt auf dem Behandlungsstuhl Platz, und die übrigen Partygäste sitzen um den Monitor herum und ergötzen sich bei Drinks und Appetithäppchen an den possierlichen Bewegungen des ungeborenen Kindes. Die Firma bietet unterschiedliche Paketlösungen an. Beim „4D Baby Bonding Gold Package“ für 195 Pfund (ca. 230 Euro) etwa sind vier Hochglanzbilder und eine 20minütige DVD mit Videosequenzen im Preis inbegriffen. Als Zugabe erhält man noch ein „lustiges Mousepad“ mit Fötusmotiv sowie einen Teddybären, der nicht brummt, sondern die kindlichen Herztöne abspielt. Andere Firmen bieten statt dessen eine iPod-Video-Datei als Zugabe an, die man vielleicht am sinnvollsten noch auf seine Facebook-Seite posten sollte… Die Veranstalter solcher Fötus- Partys stellen nur die Räumlichkeiten und das technische Equipment zur Verfügung. Ein Arzt ist in der Regel auf der Party nicht anwesend. Mediziner sind entsetzt. „Eine Ultraschalluntersuchung allein zur Anfertigung von Erinnerungsbildern oder –videos ist aus medizinischer Sicht abzulehnen.“, sagte der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin, Eberhard Merz. Auch in Großbritannien beklagen Ärzte und Krankenhauspersonal, dass Geräte, die eigentlich zu Diagnostikzwecken dienen sollen, nun zur Unterhaltung missbraucht werden. Doch der Trend ist nicht mehr aufzuhalten. In den USA wird die Anfertigung von Ultraschallbildern ungeborener Kindern sogar schon in Einkaufszentren und Supermärkten angeboten.

Quelle: Matrix3000 Band 72