12/20/2012 07:49

Das Stonehenge Indiens?

Category: Wurzeln
By: Thomas Ritter

Foto: The Hindu

Diese einzigartige Formation aus ovalen, aufrecht stehenden Monolithen war möglicherweise ein heiliger Platz. Sie erinnert an vergleichbare Plätze in Europa oder Afrika und wurde durch den Hobby- Archäologen K. Venkateswara Rao kürzlich in den Felsenhügeln nahe des Dorfes Chittivilasa im Distrikt Srikakulam, Indien, aufgefunden. Die Formation besteht aus kreisförmig angeordneten Monolithen von jeweils rund 8 m Höhe. Der Durchmesser dieser Steinringes beträgt ganze 28 m. Fein ausgearbeitete Halterungen und Balkenlager beweisen, dass dieser Ort einst überdacht war und entweder als Wohnstätte oder wahrscheinlicher als Heiliger Platz für die Verehrung prähinduistischer Gottheiten genutzt wurde. Eine prähistorische Hütte mit einem Durchmesser von 3,05 m, die einst im Steinkreis stand, konnte laut Rao bereits rekonstruiert werden. Die gut erhaltenen Monolithen werden noch heute als „Pandavulapancha“, „Pandavuladoddi“ oder „Demudurallu“ – die „Steine der Götter“ bezeichnet. Lokale Legenden berichten, dass die Pandavas während ihres Exils eine Zeit lang hier verborgen unter dem Schutz der Götter gelebt haben sollen. Bei den Pandavas handelt es sich um die Protagonisten des indischen Nationalepos „Mahabharatha“ - fünf Brüder, welche für das Gute stehen und von ihren neidischen Vettern um Thron und Reich gebracht wurden. Ihre Abenteuer, um das rechtmäßige Erbe wieder zu erringen, schildert das Mahabharatha.

Panchavulapancha – die „Betten der fünf Brüder“, so wird der Ort von den Einheimischen genannt. Tatsächlich befindet sich in der Formation eine natürliche Felshöhle, aus deren Boden fünf steinerne Liegeflächen herausgearbeitet worden sind. Diese „Betten“ wurden exakt nord-südlich ausgerichtet. In späteren Zeiten nutzten Einsiedler der Jain-Religion diese Höhle für Meditationen und nahmen einige Veränderungen im Interieur vor. Vor allem meißelten sie um die steinernen Liegeflächen Abflusskanäle aus dem Boden, um diese vor eindringendem Regenwasser zu schützen. Steinerne Betten der gleichen Art finden sich auch in den Jain-Höhlen von Udayagiri und Kandhagiri in der Nähe von Bubaneshewar in Odisha. Herr Rao ist der Ansicht, dass die Jains hier im Distrikt Srikakulam eine prähistorische heilige Stätte für ihre Zwecke nutzten, welche nur 280 km von den Jain-Höhlen in Udayagiri entfernt liegt. Die Idee des Hobbyarchäologen, seine Entdeckung mit den Druiden, den Priestern des keltischen Kultes, in Verbindung zu bringen, entbehrt nicht eines gewissen Humors. Dennoch wird diese These in Indien von einigen Enthusiasten ernsthaft erwogen, obwohl auch hier die meisten Forscher längst zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Druiden eben nicht die Erbauer monolithischer Anlagen waren. Diese weitgehend unbekannten und unerforschten Baumeister, welche in Europa, Afrika, aber auch in Amerika und Asien gewaltige Steinsetzungen schufen, werden heute als „Megalithiker“ bezeichnet. Nun sagt dieser Begriff lediglich aus, dass die Erbauer solcher Stätten gut mit großen Steinen umzugehen wussten. Möglicherweise handelt es sich bei dem weltweit anzutreffenden Kult der aufrecht stehenden Steine um die Hinterlassenschaft einer einstigen, weltumspannenden Hochkultur aus fernen Tagen. Auch in Indien sind die Legenden um den sagenhaften Kontinent Mu im Pazifik und das nicht minder legendäre Lemurien im indischen Ozean bis heute lebendig.

Venkateswara Rao fand jedoch auch Spuren des Hindusimus in seinem „indischen Stonehenge“. Bruchstücke sogenannter Shiva Lingams verrieten, dass hier einstmals Shiva, einer der drei Hauptgottheiten der Hindus, verehrt wurde. Die Steinformation von Chittivilasa dürfte somit über Jahrtausende hinweg ein heiliger Platz für verschiedene Religionen gewesen sein.

Quelle: Matrix3000 Band 73