06/27/2013 08:24

Schmackhafte Worte und bunte Musik

Category: Wissen

Kinder bis zum vierten Lebensmonat haben die Fähigkeit alle, danach geht sie den meisten von uns verloren – Synästhesie, eine seltsame Vernetzung im Gehirn, die es einem Menschen erlaubt, Eindrücke auf mehreren Sinnesebenen simultan zu empfangen. Für einen Synästhetiker können Worte eine bestimmte Farbe haben, oder das Hören von Musik wird innerlich mit einer Geschmacksqualität verbunden. Rund 65 Varianten synästhetischer Wahrnehmung sind bis heute bekannt. Diejenigen Menschen, bei denen die Fähigkeit über das Säuglingsalter hinaus erhalten bleibt, sind sich oft der Tatsache gar nicht bewusst, dass sie die Welt anders – reichhaltiger – wahrnehmen als die meisten ihrer Mitmenschen. Studien zufolge tritt Synästhesie besonders häufig bei Hochbegabten auf, und bei vielen ist die Empfindlichkeit der Sinnesorgane besonders hoch. Daher leiden Synästhetiker häufig unter der Reizüberflutung der heutigen Zeit. Doch die meisten empfinden ihre Fähigkeit eher als eine Gabe, nicht als Belastung. Dass alle Kinder in den ersten vier Lebensmonaten Synästhetiker sind, wie man heute annimmt, hängt damit zusammen, dass die einzelnen Gehirnzentren in dieser frühen Lebensphase noch nicht ausreichend ausdifferenziert sind und daher auf Sinnesreize meist noch gemeinsam reagieren. Weshalb diese Fähigkeit bei manchen Menschen trotz ansonsten normaler Gehirnentwicklung erhalten bleibt, ist noch ungeklärt. Vielleicht bildet sich bei ihnen im Zuge der Entwicklung ein besonders reichhaltiges neuronales Netzwerk heraus. Es wäre aber auch möglich, dass die Synästhesie andere Ursachen hat und sich die reichhaltigere Vernetzung der Neuronen erst sekundär aufgrund des Vorhandenseins dieser Fähigkeit entwickelt.

Quelle: Matrix3000 Band 76