12/21/2014 17:37

Lucy ohne c

Category: RaumZeit
By: Sebastian Frey

Filmszene: Scarlett Johansson als "Lucy"

oder: Wie baut man eine Zeitmaschine?

Wie viele Prozente Ihres Gehirns nutzen Sie? Ich will Sie nicht beleidigen, aber falls Sie das alltägliche Leben eines Normalbürgers führen, vermutlich nur ca. drei Prozent. Das erkennen Sie daran, dass ihr Gehirn über keinerlei Fähigkeiten verfügt, die über das übliche Lernen, Studieren, Handeln und Arbeiten hinausgehen.

Bei „Lucy“ war das anders. Lucy ist die Protagonistin des gleichnamigen französischen Science-Fiction-Films, der seit Sommer 2014 in den Kinos läuft. Die junge Frau wurde unbeabsichtigt einer geheimen Designer-Droge ausgesetzt, die ihr Gehirn veranlasste, rasant immer mehr von seiner Kapazität zu nutzen. Zuerst wuchs ihre Intelligenz im Stundentakt, und sie lernte ihre Körperfunktionen und den Schmerz zu kontrollieren. Dann erweiterte sich ihre Wahrnehmung, sie entwickelte schließlich telepathische und sogar telekinetische Fähigkeiten. Gleichzeitig verlor sie jegliche Emotionen. Als ihr Gehirnpotenzial auf 100 Prozent zusteuerte, durchbrach sie die Zeitbarriere, konnte in der Zeit reisen, bis in die tiefste Urzeit zu den ersten Menschen.

Schon bald stellte sich heraus,dass Lucys hochentwickeltes Gehirn nicht mehr für eine Existenz im menschlichen Körper geeignet ist... Falls sie jetzt „Spoiler-Alarm“rufen – keine Sorge, noch mehrwird nicht verraten.

Auch wenn es sich nur um einen Spielfilm handelt – die Grundaussage,dass der heutige Mensch nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft in der Zeit zu reisen, ist richtig – und vermutlich auch besser so. Vorerst können wir also nur auf die Technik hoffen.

Und da schwirrt seit Jahren das berühmte Zitat von Stephen Hawking durch die Welt: „Zeitreisen sind möglich. Sie widersprechen nicht den Gesetzen der bekannten Physik.“ Wenn selbst der das schon weiß, wo ist sie dann, die funktionierende Zeitmaschine?

Hierüber hat sich ein anderer prominenter Wissenschaftler, der Physiker Michio Kaku von der Universität New York, Gedanken gemacht. Dass etwas mit den Gesetzen der Physik vereinbar ist, bedeutet noch lange nicht, dass wir es heute schon nutzen können. Es gibt einige physikalische Konzepte, wie eine Zeitmaschine funktionieren könnte. Kaku, obwohl japanischstämmiger US-Amerikaner, veranschaulicht diese Konzepte mit fast britisch wirkendem Humor. Eines ist klar: Wer physikalisch-realistische Zeitreisedesigns realisieren will, braucht sich um solche Kleinigkeiten wie Einsteins Prinzip der konstanten Lichtgeschwindigkeit nicht mehr zu kümmern. Ein Zeitreisender wäre also – im Gegensatz zu dem allseits bekannten Buchtitel – „Lucy ohne c“.

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