12/22/2014 09:31

„Darwins Dilemma“ - und seine Lösung

Category: Wissen

Charles Darwin

Lebenslang knabberte Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, vergeblich an einer wichtigen Frage, von deren Beantwortung im Grunde sein ganzes Denkgebäude über die „Entstehung der Arten“ abhing. Wenn die Evolution, so wie er glaubte, ein langsamer Prozess ist, bei dem sich die Lebensformen durch zufällige Mutationen weiterentwickeln - warum erschienen die ersten Lebensformen auf der Erde dann so unglaublich schnell (lediglich einige zehn Millionen Jahre nach Entstehung des Planeten)? Warum blieben diese ersten primitiven Mikroorganismen dann für Milliarden von Jahren fast unverändert, um sich schließlich etwa 600 Millionen Jahre vor unserer Zeit in der sogenannten „kambrischen Explosion“ fast schlagartig in die vielfältigen höheren Lebensformen des Pflanzen- und Tierreichs zu differenzieren, wie wir sie im Grunde bis heute kennen?

Wissenschaftler der Yale-University und vom Georgia Institute of Technology fanden jetzt möglicherweise eine Antwort auf „Darwins Dilemma.“ Im Erdzeitalter des Kambrium kam es zu erheblichen tektonischen Umformungen der Erdoberfläche. Der damalige Urkontinent brach auseinander, einige der Bruchstücke wurden vom Urozean überflutet. Doch das war noch nicht alles. Durch das großräumige Aufbrechen der Erdkruste wurde in großem Maße Sauerstoff in der Atmosphäre freigesetzt. Untersuchungen von Sedimentgestein ergaben, dass vor dem kambrischen Zeitalter die Erdatmosphäre nur etwa ein Zehntel Prozent Sauerstoff enthielt (heute sind es etwa 21 Prozent). Das war zu wenig, um höhere Lebensformen zuzulassen, wie wir sie kennen. Zudem macht Sauerstoff als Oxydationsmittel organische Substanzen instabil, was seinerseits die Mutationsrate stark antreibt.

Nichts für ungut, Mr. Darwin, aber Mutationen sind eben nicht alles bei der Evolution. Auch die Umweltbedingungen müssen stimmen. Vor Beginn des Kambriums war die (gar nicht mehr so junge) Erde ganz einfach noch nicht reif für höhere Lebensformen.